Die Ärztegenossenschaft Nord sieht die Leistungen der Medizinischen Fachangestellten nicht ausreichend gewürdigt!

Sie seien bei den Bonuszahlungen nicht berücksichtigt worden und auch der Manteltarifabschluss könne, nach Meinung der Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord), nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine ganze Berufsgruppe kaum in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit auftauche. Gerade Medizinische Fachangestellte (MFA) stünden, vergleichbar mit der Pflege auf Intensivstationen und Pflegeeinrichtungen, in der Pandemie an der vordersten Versorgungsfront und leisteten eine harte aber deutlich unterbezahlte Arbeit.

„Weit über 90% der Abstriche und COVID-Patienten händeln wir in unseren Praxen“, so Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher im Vorstand der äg Nord, „ohne dass Öffentlichkeit und Politik diese Leistung in irgendeiner Weise würdigen würde.“ Im Gegenteil, so würden MFA als Prellböcke in der Krise herhalten müssen, wenn unzulängliche politische Beschlüsse, verfehlte Öffentlichkeitsarbeit und ausufernde Bürokratie auf durch die Krise zunehmend genervte Patienten träfen! Früher „Arzthelferin“ genannt, hätten sich die zu leistenden Aufgaben der MFA im Praxismanagement und Einsatz als nicht-ärztliche Praxisassistenten (NäPa) nicht erst durch die Krise durch erweiterte Delegationsmöglichkeiten deutlich ausgedehnt.

Bei ständigen Erstkontakten mit erkrankten Patienten und bei fehlender Schutzausrüstung zu Beginn der Krise, wundert es die äg Nord keineswegs, wenn auch der durch COVID-19 hervorgerufenen Krankenstand der MFA, wie kürzlich von der AOK Nord-West festgestellt, besonders hoch ausfiele. Für die COVID-19-Impfung priorisiert wurden die MFA und Ärzte im niedergelassenen Bereich dennoch nicht!

„Wir können unsere MFA häufig nicht leistungsgerecht bezahlen“, so Gehring weiter, „da sich Personalkostensteigerungen im ambulanten Bereich, anders wie in Krankenhäusern, nicht in einer Steigerungen des Orientierungswertes niedergeschlagen haben.“ Dieser sei im Zeitraum von 2016 bis heute nach Berechnungen des Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung (Zi) im Krankenhausbereich um über 15% gestiegen, für Vertragsärzte aber um weniger als 7%.

Daher fordere die äg Nord die Politik auf, die systemrelevante Leistungsstärke der Praxen und ihrer MFA endlich anzuerkennen und auf eine bessere Bezahlung des ambulanten Sektors durch höhere Orientierungswerte und Abschaffung von Budgets hinzuwirken. Nur so könne der ambulante Sektor in seiner Leistungsfähigkeit erhalten bleiben! „Wenn unsere MFA nun von Kliniken abgeworben werden, weil dort höhere Gehälter gezahlt werden können, sei dies eine Fehlentwicklung,“ gibt Gehring zu bedenken. Auch bei der nun anstehenden Durchführung der COVID-Impfungen würden die Länder wieder gerne auf die MFA zurückgreifen. Eine Würdigung ihrer Leistungen sei jetzt mehr als überfällig, meint die äg Nord!

Bad Segeberg, 05.01.2021

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Dr. Svante Gehring, Vorstand
Tel.: 04551 9999-0 – E-Mail: kontakt@aegnord.de


Pressemitteilung: Wertschätzung für Medizinische Fachangestellte gefordert!

Foto: ©Miriam Döör/ de.fotolia.de