Mitgliederbefragung der Ärztegenossenschaft Nord:
Ja zur Digitalisierung, Jein zur Telematik-Infrastruktur (TI)

Die Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord) hat 1.100 ihrer Mitglieder in einer Stichprobe in der Zeit vom 29. Juli bis 18. August angeschrieben, quer durch alle Fachgebiete der Praxen.

„Bei einer Rücklaufquote von ca. 14% spricht sich eine Mehrheit für die Digitalisierung aus – ca. 68% – und viele Niedergelassene sehen auch einen Nutzen der TI und ihrer Anwendungen/Komponenten“, so Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher im Vorstand der äg Nord. Doch fordere die überwältigende Mehrheit (ca. 92%) ein Moratorium, bis die aktuell bestehenden Probleme und Fragestellungen der TI aufgeklärt wurden, und eine vollständige Kostenübernahme durch die Krankenkassen (ca. 96 %).

Besonders im Hinblick auf die Sinnhaftigkeit der unterschiedlichen Anwendungen/Komponenten besteht Diskussionsbedarf. Die Umfrage zeigt, dass Anwendungen wie der Notfalldatensatz und der eMedikationsplan als sinnvoll erachtet werden, aber andere Komponenten z.B. KIM, eAU, eRezept und ePA sind durchaus umstritten.

Welche Anwendungen/Komponenten der TI sehen Sie als sinnvoll an… (in %)

Ergebnisse der äg Nord Mitgliederbefragung

„Die TI wird mehrheitlich nicht abgelehnt“, so Gehring weiter, „sondern nur die damit verbundenen rücksichtslosen Zwänge, der ehrgeizige Zeitplan und die Kosten für die Praxen.“

Die äg Nord fordert daher die Politik als auch die Körperschaften auf, den Druck und die Bedrohung aus der digitalen Entwicklung herauszunehmen. Die Forderungen der niedergelassenen Ärzteschaft lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Ein Moratorium, bis die bestehenden Probleme gelöst sind!
  2. Laufende und Investitionskosten müssen komplett getragen werden!
  3. Die Ärzteschaft muss wieder stärker in die Entscheidungen und dem Vorgehen eingebunden werden!

Hintergrund:
Seit Jahren wird ein Fortschritt der Digitalisierung im Gesundheitswesen gefordert, auch in Gesetzen verankert. Viele Praxen arbeiten bereits papierlos, Daten werden EDV-technisch verarbeitet. Mit dem Online-Abgleich der Patientendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sollten erste Anwendungen der Telematik-Infrastruktur (TI) etabliert werden, bei Widerstand drohen Honorarkürzungen. Schlag auf Schlag folgen weitere Gesetze, Gesundheitsminister Spahn setzt die Ärzteschaft unter Druck, jetzt mit aufwändiger Richtlinie zur IT-Sicherheit in den Praxen und mit der verpflichtenden Einrichtung wie KIM (Kommunikation im Medizinwesen) zum 31.12.2020 und eAU, die zuletzt auf Einspruch der KBV einige Monate nach hinten verschoben wurde.

Bad Segeberg, den 20.08.2020

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Dr. Svante Gehring 1. Sprecher Vorstand
Tel.: 04551 9999-0 – E-Mail: kontakt@aegnord.de


Pressemitteilung: Ergebnisse der Mitgliederbefragung der Ärztegenossenschaft Nord