In Stuttgart wurde am 7. Februar beim Landeskongress Gesundheit erneut die Frage kontrovers diskutiert, ob wir in Deutschland noch mehr Ärzte brauchen oder eigentlich gut versorgt sind.

Die Ärztegenossenschaft Nord eG (äg Nord) vertritt seit Jahren den Standpunkt, dass Deutschland genügend Ärzte habe, diese würden aber systemimmanent „verheizt“. Die äg Nord sieht die Gründe in der Anspruchshaltung der Bevölkerung, die durch ein uneingeschränktes Leistungsversprechen der Politik gefördert würde. Sie sieht kraftzerrende Schnittstellenprobleme zwischen den Sektoren, zu wenig Steuerungselemente, fehlende transprofessionelle Zusammenarbeit, falsche Abrechnungsanreize und einen bürokratischen Overkill als weitere Gründe an.

„Die aktuellen europäischen Vergleichszahlen geben uns recht“, so Dr. Svante Gehring, Vorstandssprecher der äg Nord. Er bezieht sich auf den Monitoring-Zyklus „State of Health in the EU“ der OECD und des Europäischen Observatoriums für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik, der genügend Ärzte für Deutschland ausweist. Der Nutzen für die Bevölkerung wird dort als klein erachtet und die Steuerung durch ein „Gatekeeping“-System in Deutschland vermisst.

„Leider diskutieren wir in Deutschland immer wieder die falschen Fragen. Es geht doch nicht darum, wie viele Ärzte wir haben, sondern ob wir sie an der richtigen Stelle einsetzen“, so Gehring weiter. Er sieht die zu hebenden Potentiale in einer besseren Vernetzung der Sektoren und durch Teamarbeit. „Wir können uns keine Fachkräfte schnitzen“, so Gehring, „aber wir können sie regional durch gute Strukturen in sektorenverbindenden Versorgungsprozessen effizienter einbinden!“

Schon vor über 12 Jahren hat die äg Nord bei drohendem Hausärztemangel eine vernetzte Versorgung – finanziert durch Regionalbudget – mit der Politik und Kran-kenkassen diskutiert. Heute ist sie in zahlreichen regionalen Versorgungsprojekten erfolgreich unterwegs, aber hält nach wie vor nach einer besseren Verzahnung der Leistungssektoren Ausschau. „Die Einsparung nur eines Hausbesuches eröffnet für mehrere Patienten meine Sprechstunde“, erklärt Gehring, der selbst Hausarzt ist.

Er sieht die Verbindung zwischen der hausärztlichen und pflegerischen Versorgung als ebenso wichtig an, wie die zwischen der hausärztlichen und der stationären Versorgung. Bei diesen Überlegungen ginge es ihm um eine Verbesserung der Patientenversorgung bei gleichzeitiger Optimierung der Behandlungsprozesse.

Bad Segeberg, 11.02.2020

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG, Dr. Svante Gehring Vorstand
Tel.: 04551 9999-0 – E-Mail: kontakt@aegnord.de


Pressemitteilung: Ärztemangel trotz mehr Ärzte?