In einer seit fünf Jahren durchgeführten bundesweiten Befragung, an der 2020 rund 1.300 niedergelassene Fachärzte (Haus- und Gebietsärzte) teilnahmen, ergab sich laut Ärztenachrichtendienst (änd) eine eher pessimistische Prognose für das Jahr 2020. Während knapp 80 Prozent der Befragten eher negative Veränderungen für ihre Arbeit erwarteten, glaubten nur 4 Prozent an eine positive Entwicklung.

Mehr Patienten, mehr Bürokratie und mehr gesetzlichen Anforderungen

Zum einen kann die Gesetzesflut von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu der Einschätzung der Ärzte beitragen, zum anderen gibt es bei immer mehr Patientenaufkommen, Bürokratie und gesetzlichen Anforderungen an die Praxen keine positive Erwartung zur Einkommenssituation. Knapp jeder zweite Arzt rechnet mit einer höheren Arbeitsbelastung für 2020.

Für die Ärztegenossenschaft Nord eG (äg Nord) setzt sich damit ein Trend der letzten Jahre fort, der mit einer sinkenden Attraktivität der selbstständigen Tätigkeit in der ambulanten Versorgung einhergeht. „Wir brauchen neue Praxismodelle, endlich eine echte Verzahnung der Leistungssektoren und nicht zuletzt Anreize für eine sinnvolle Patientensteuerung“, so Dr. Svante Gehring, erster Sprecher der äg Nord.

„Der Arztzeitmangel ist bisher nicht durch mehr Ärzte im System kompensiert“

Die äg Nord fordert seit Jahren, dass der bereits begonnene Strukturwandel im ambulanten Bereich mit zunehmend in Teilzeit arbeitenden, angestellten Ärzten ausgeglichen werden muss. „Der Arztzeitmangel bei höherem Patientenaufkommen ist bisher nicht durch mehr Ärzte im System kompensiert“, so Gehring weiter. Die äg Nord sieht daher neben einer sinnvoll implementierten Telematik, eine bessere transprofessionelle und intersektorale Zusammenarbeit und besonders die Entlastung der Ärzte von administrativen Aufgaben als essentiell an.

Hierfür müssten nach Ansicht der äg Nord wieder Anreize geschaffen werden. Sektorenübergreifende Selektivverträge mit gesetzlichen Krankenkassen sollten wieder gefördert und nicht vom Bundesamt für Soziale Sicherung (ehemals Bundesversicherungsamt) verhindert werden. Zudem müsste ein Vergütungssystem intersektorale Leistungen und die ständig steigenden administrativen Aufgaben von Praxen durch gesetzliche Auflagen abbilden. Die äg Nord hat in Kooperation mit einigen Kommunen (z. B. in Büsum, Lunden oder Silberstedt) gezeigt, dass attraktive Arbeitsmodelle durch outsourcen der Managementleistung möglich sind und durch Kooperation, z. B. mit Einsatz von Telemedizin, die Belastung der Ärzte im Arbeitsalltag reduziert werden kann.

Bad Segeberg, 14.01.2020

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG, Dr. Svante Gehring Vorstand
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Pressemitteilung: Ärzte sehen für 2020 schwarz