Wann und wodurch reifte der Entschluss, in Wahlstedt ein MVZ zu gründen?

Die finale Entscheidung zur Gründung eines eigenen, kommunalen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), traf die Stadt Wahlstedt im Sommer 2021. Die beiden Hausärzte Herr Dr. Orlowski und Herr Damaschke konnten nach jahrelanger Suche keine Nachfolger finden, die ihre seit vielen Jahren in der Stadt etablierte Gemeinschaftspraxis in Selbständigkeit übernehmen wollten, wobei der wohlverdiente Ruhestand immer näher rückte. Es wurden viele Gespräche zwischen den am Ort ansässigen Ärzten, der Stadt und der Ärztegenossenschaft geführt, um eine tragfähige und nachhaltige Lösung zu entwickeln, die die hausärztliche Versorgung vor Ort sichert. Gleichzeitig erklärte der in Wahlstedt niedergelassene Hausarzt Herr Opitz seine Bereitschaft an dem Projekt mitzuwirken und entschloss sich für eine Beteiligung an einem kommunalen Medizinischen Versorgungszentrum.

Wie kam die Ärztegenossenschaft ins Spiel?

Die Ärztegenossenschaft begleitet die Stadt Wahlstedt bereits seit 2018 im Rahmen eines Projektes. Die Stadt sah sich aufgrund der fehlenden Nachbesetzung der Hausarztsitze mit einer nicht ausreichenden hausärztlichen Versorgung konfrontiert und beauftragte die Ärztegenossenschaft mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie. Auf Grundlage der Ergebnisse wurde eine erste Projektidee entwickelt und anschließend in einer Projektskizze durch die Ärztegenossenschaft konkretisiert. Als Interessenvertretung der niedergelassenen und angestellten Ärzte im Land unterstützen und fördern wir Lösungen, die die Ärzte vor Ort favorisieren und mittragen. Nachdem sich vor einigen Monaten die nun realisierte Lösung eines kommunalen MVZ abzeichnete und die drei in Wahlstedt niedergelassenen beteiligten Hausärzte ihre Bereitschaft erklärten, zukünftig in einem Angestelltenverhältnis tätig zu sein und somit die Gründungsvoraussetzungen für das MVZ gegeben war, konnte die Ärztegenossenschaft ihre Erfahrung und ihr Know-How im Aufbau und im Management von kommunalen Ärztezentren einbringen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, als Geschäftsführerin des MVZ, wo sehen Sie Ihre Kernaufgabe?

Ich freue mich besonders auf die Aufgabe als Geschäftsführerin des MVZ der Stadt Wahlstedt eine Basis für eine langfristige und nachhaltig gute hausärztliche Versorgung für die Bürger in der Stadt und im Umland zu schaffen. Ich möchte Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter schaffen, die es ihnen ermöglichen, täglich mit Freude und in Einklang mit ihren Bedürfnissen zur Arbeit zu kommen. Die Ärzte sollen sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können, nämlich Medizin zu praktizieren. Die Mitarbeiter sollen soweit möglich von administrativen Tätigkeiten entlastet werden und sich in erster Linie auf die Betreuung ihrer Patienten konzentrieren können. Dazu werde ich auch den Ausbau moderner Technik weiter vorantreiben. Das Arbeiten in größeren Einheiten wie einem MVZ ermöglicht dem einzelnen Mitarbeiter flexiblere Rahmenbedingungen unter anderem in der Arbeitszeitgestaltung als zum Beispiel in einer kleineren Einzelpraxis. Gerade jüngere Kollegen schätzen vermehrt das Arbeiten im Team und profitieren von der Erfahrung der langjährig tätigen Kollegen.

Welche medizinischen Bereiche deckt das MVZ ab?

Das MVZ deckt vollumfänglich den Bereich der hausärztlichen Versorgung ab.

Gab es Stolpersteine auf dem Weg?

Der Weg zur MVZ-Gründung war insofern herausfordernd, dass es ein längerer Prozess war, an dessen Ende sich das kommunale MVZ als Lösung festigte und alle Beteiligten den Weg mitgehen wollten. Um dann genügend Zeit für die Antragstellungen bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu haben, musste kurzfristig die Gesellschaftsgründung in der Stadt entschieden werden und sämtliche formale Voraussetzungen für die Anträge geschaffen werden. Erst wenn das MVZ, die Zweipraxis und die Anstellungen durch den Zulassungsausschuss genehmigt werden, können wir sicher sein, am 01.01.2022 mit unserem MVZ an der hausärztlichen Versorgung teilnehmen zu können. Und erst dann können diverse Verträge für die neue Versorgungs-Infrastruktur geschlossen werden. Man jongliert mehrere Bälle gleichzeitig.

Was sind Ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft des MVZ?

Ich wünsche mir für das MVZ der Stadt Wahlstedt eine Entwicklung zu einem modernen Gesundheitszentrum in neuen Räumlichkeiten, wie es die Stadt bereits plant. Wir suchen noch Ärzt*innen, die im MVZ tätig werden wollen und möchten ihnen ermöglichen, die neuen Praxisräume nach ihren Bedürfnissen mitzugestalten. Durch die Integrierung weiterer Gesundheitsdienstleister in der unmittelbaren Umgebung entstehen Sogeffekte und bieten den Bürgern ein umfassendes medizinisches Angebot an einem zentralen Punkt in der Stadt.

Daneben nimmt die Digitalisierung im Gesundheitswesen aktuell und zukünftig einen großen Stellenwert ein. Im Rahmen der Telematikinfrastruktur werden beispielsweise elektronische Patientenakten, Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und ein Großteil vieler bisher papierhafter Dokumente digital und für die Patienten jederzeit mobil zur Verfügung stehen. Es gilt sich konsequent auf die Wünsche und Anforderungen unserer „Kunden“, also der Patienten, einzustellen und gleichzeitig optimale Prozesse zu etablieren. Dabei sind unsere Mitarbeiter das höchste Gut. Wenn sie zufrieden sind, werden es die Patienten auch sein.

Für wen ist das MVZ?

Die Türen des MVZ stehen für alle Bürger*innen in und um Wahlstedt offen, die sich hausärztlich behandeln lassen möchten.

Die Ärztegenossenschaft ist überzeugt, dass das MVZ ein voller Erfolg für die Stadt Wahlstedt wird und wünscht allen Beteiligten einen erfolgreichen Start.