Wenn wir beim Thema Digitalisierung eine Entlastung und intelligente Unterstützung der Patientenversorgung erwartet haben, erleben wir dieser Tage durch die Installationen der Telematikinfrastruktur (TI) das genaue Gegenteil.

Die TI baut auf völlig veralteten, zentralisierten Strukturen, unsichere Konnektoren und einem anfälligen Netzwerk auf. Sie zieht Kosten und teure Sicherheitsmaßnahmen in unseren Praxen nach sich.

Veraltete Technik, geringer Nutzen?

Die nun kommenden Anwendungen mit Speicherung des Notfalldatensatzes und des Medikationsplans auf der Versichertenkarte sind eine Technik aus dem letzten Jahrhundert und wären jederzeit auch schon ohne die Installation einer aufwendigen TI gegangen. Die ab nächstem Jahr gesetzlich vorgeschriebenen elektronischen Anwendungen eAU und eRezept sind mit gleichzeitigem Papierausdruck zu bedienen. Die elektronische Patientenakte (ePA) wird eine unvollständige Akte, welche durch den Patienten gepflegt werden soll, und ist somit für die Ärzte und Psychotherapeuten kaum zu gebrauchen.

Zugegeben, im außereuropäischen und internationalen Vergleich hat Deutschland im Bereich Digitalisierung Nachholbedarf. Da hat sich in den letzten 20 Jahren auch unsere Selbstverwaltung nicht mit Ruhm bekleckert! Der Bundesgesundheitsminister hat daher die Gematik an sich gerissen und möchte nun in kurzer Zeit und mit Zwang nachholen (z.B. Honorarkürzungen), was versäumt worden ist. Nicht zuletzt wegen der zurückliegenden, wiederholten Störungen der TI und den nicht geklärten Fragen zur Haftung, Kostenübernahme und Datensicherheit sowie deren Folgeabschätzung, wehrt sich die Ärzteschaft zusehends gegen die inzwischen in Gesetze gegossenen Vorgaben aus dem Bundesgesundheitsministerium.

Der Nutzen der TI wird in unseren Praxen nicht erlebt und deren kommenden Anwendungen führen zu einer erheblichen Mehrbelastung ohne Mehrwert für die Patientenversorgung.

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Die KBV und alle 17 KVen haben in einen offenen Brief an Jens Spahn, der zuvor mit Ersatzvornahme drohte, Forderungen erhoben. Forderungen und das Schreiben können auf der Homepage der KBV unter folgenden Link eingesehen werden:

https://www.kbv.de/html/1150_47246.php oder direkt unter:
https://www.kbv.de/media/sp/2020_07_24_Schreiben_an_BM_Jens_Spahn___Digitalisierung.pdf