Vorstandsmitglied Dr. Klaus Bittmann spricht über die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die ab 1. Oktober 2021 digital an die Krankenkassen geschickt werden sollen. Die Praxen werden ins kalte Wasser geworfen, frei nach dem Motto “Jetzt macht mal schön!”. Teils funktioniert die Technik nicht, teils können die Daten bei einigen Krankenkassen so nicht verarbeitet werden. “…dann kommt die Äußerung der gematik, dass doch alles funktionieren müsste …”, so Bittmann. “Mir tun alle Praxen Leid die sich mit diesen Dingen rumquälen müssen (…) und ich finde es auch geradezu verachtend, dass von politischer Seite keine Karenzzeit gegeben wird (…) um alles in Ruhe zu machen”, so Bittmann. Es wurden viele digitale Prozesse in den letzten Jahren in den Praxen, zum Teil aus Eigeninitiative, umgesetzt, dort wo Ärzte es als sinnvoll erachten. Die administrativen Aufgaben in Bezug auf die Krankenkassen sind unausgegoren und “funktionsschwach”, so Bittmann. Er ist erstaunt, dass hier nicht ein stärkerer Protest stattfindet und dass sich die KBV sich nicht vehementer vor die Ärzte stellt.

Ein weiteres Thema ist ein Streit, der wohl auch durch den anstehenden Regierungswechsel besonders befeuert wird. Die Vertreter der Kliniken, beginnend mit Professor Scholz, Chef der Universitätskliniken in Schleswig-Holstein, sei es vom Chef der Krankenhausgesellschaft Dr. Gass, die die Äußerungen nach draußen tragen, dass die Krankenhäuser dafür prädestiniert seien auch die ambulante Versorgung zu gewährleisten, oder dass die KVen nicht in der Lage seien auch die Notfallversorgung zu sichern. “Hier wird überhaupt nicht aufgezeigt, wie funktionsfähig der ärztliche Bereitschaftsdienst ist und wie dieser die Krankenhäuser entlastet. Diese emotionalen Äußerungen die jetzt taktisch bei neuer Regierungsbildung in den Raum gestellt werden, sind erschreckend”, so Bittmann.

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