Jedes Jahr kündigen einige Mitglieder die Mitgliedschaft in der Ärztegenossenschaft, in fast allen Fällen begründet in der Praxisaufgabe.

Die Satzung der Ärztegenossenschaft Nord eG (äg Nord) regelt hierzu, dass bis zum 30.06. des Folgejahres das auf den Genossenschaftsanteil anfallende Geschäftsguthaben auszuzahlen ist. Die Höhe des Auszahlungsbetrages im Rahmen der so genannten Auseinandersetzung schwankt von Jahr zu Jahr und ist einerseits abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg, aber auch von den Beschlüssen der Generalversammlung der äg Nord.

Die Generalversammlung hat bislang in jedem Jahr seit der Gründung der äg Nord beschlossen, das Jahresergebnis auf neue Rechnung fortzuschreiben, also das jeweilige Jahresergebnis in das folgende Jahr „mitzunehmen“. Alternativ hätte die Generalversammlung auch beschließen können, einen erwirtschafteten Überschuss in Form einer Dividende an die Genossenschaftsmitglieder auszuzahlen oder im Falle eines erwirtschafteten Verlustes, diesen im Rahmen eines Nachschusses (begrenzt auf insgesamt maximal € 500 je Anteil) der Mitglieder auszugleichen.

Vergegenwärtigt man sich noch einmal die Satzungsziele der äg Nord (§ 3 der Satzung), so wird sehr schnell deutlich, dass es nicht Zweck und Aufgabe des Unternehmens ist Gewinne zu erwirtschaften, sondern Mitgliedervorteile zu generieren.

So haben wir über die letzten 20 Jahre in 5 Kernprozessen (Interessenvertretung, Netzbetreuung, Selektivverträge, Dienstleistungen für Praxen und regionale Versorgung) umfangreiche Mitgliedervorteile entwickelt, die von unseren Mitgliedern in unterschiedlicher Ausprägung genutzt werden. Mit mittlerweile 25 Mitarbeitern kümmern wir uns um die kleinen und großen Bedürfnisse unserer Mitglieder und finanzieren dies aus eigener wirtschaftlicher Kraft und dies, obwohl jedes Jahr ein mittlerer sechsstelliger Betrag in die Bereiche Interessenvertretung, Netzarbeit und Öffentlichkeitsarbeit investiert wird. Zudem haben wir drei Tochterunternehmen gegründet, mit den Schwerpunkten Generikamarkt, Assekuranz und Website-Gestaltung. Trotz dieses umfangreichen Angebotes erheben wir im Gegensatz zu anderen Interessenvertretungen keine Mitgliedsbeiträge und das seit über 20 Jahren.

Klar ist, dass auch die wirtschaftliche Entwicklung der äg Nord von Jahr zu Jahr schwankt. Neben Jahren mit ansehnlichem Gewinn gab es auch Jahre mit Verlusten. Die Verluste waren begründet in hohen Investitionen in die Zukunft oder in der Entwicklung von Projekten, die nicht oder nur unzureichend in die Realisierung kamen. Bei einem Unternehmen, das an vielen Stellen Pionierarbeit leistet, kaum zu vermeiden.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg schwankt auch der Wert des Genossenschaftsanteils. Vergleichbar einer Aktie steigt oder fällt der Wert. Allerdings ist das Motiv des Aktienerwerbs die Rendite, beim Genossenschaftsanteil liegt der Wert in der Teilhabe an Genossenschaftsprojekten. Dies kann dazu führen, dass der Wert des Genossenschaftsanteils auch unter € 500 (Nennwert) sinken kann.

Fazit

Auch wenn bei Kündigungen jedes Jahr vereinzelt Beschwerden über den Wertverlust (2019: € 334,32) eingehen, sind wir als Unternehmen erfolgreich. Denn trotz fehlender Beiträge, hat sich die äg Nord im Gesundheitswesen in Schleswig-Holstein als anerkannter Akteur positioniert und genießt bundesweite Anerkennung. Durch Nutzung der zahlreichen Dienstleistungen hat jedes Mitglied die Chance seinen Genossenschaftsanteil über die Jahre mehrfach zu refinanzieren.

Wer diese Angebote und sein Stimmrecht auf der Generalversammlung jedoch nicht nutzt, vertut zwei Chancen, den wirtschaftlichen Erfolg (damit den Wert des Genossenschaftsanteils) zu verbessern und den Kurs unseres Unternehmens – im urdemokratischen Sinne – mitzugestalten.