Die Zeit, die sich Ärztinnen und Ärzte für ihre Patientinnen und Patienten nehmen können, ist in den letzten Jahren immer knapper geworden, der Stressfaktor gewachsen. Man sagt, je höher der Effizienzdruck sei, desto größer sei auch der Anreiz zur Veränderung. Für Ärztinnen und Ärzte scheint das oft nicht zu gelten. Gerade in kleinen Praxen scheint häufig die für die Beurteilung des IST-Zustands zusätzlich aufzubringende Zeit ein unüberwindbares Hindernis.… und bisher lief es doch eigentlich auch ganz gut.

Diese Wahrnehmung der Zusammenhänge ist schade, denn Arbeitsaufwand und Stress kann nur durch Optimierung von Praxisabläufen, optimale Nutzung aller Ressourcen und konsequente Delegation aller nicht-medizinischen Arbeiten begegnet werden. Dieser kleine zusätzliche Zeitaufwand bedeutet daher zumeist schon mittelfristig eine große Arbeitsentlastung für alle Beteiligten.

Um sich einen ersten objektiven Überblick zu verschaffen, sollten insbesondere auch Fremdmeinungen eingeholt werden. Eine wichtige Ressource der Arztpraxis darf keinesfalls vergessen werden: die Medizinischen Fachangestellten (MFA). Während Praxisinhaber/innen oftmals nur die Strecke vor Augen haben, die sie zwischen Empfang, Patientenakte und Behandlungsräumen zurücklegen, sehen die MFA zumeist das komplette Ganze. Sie wissen, wo es in der Praxis hapert und haben oftmals sehr gute Ideen zur Verbesserung der Abläufe.

Klaus-Dieter Thill vom Institut für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) bestätigt anhand der Resultate von mehr als 10.000 ausgewerteten Praxisanalysen den Eindruck, dass die MFA hier eine entscheidende Schlüsselfunktion für die Leistungsoptimierung von Praxisbetrieben innehaben. Die Resultate der integrierten Mitarbeiterbefragungen würden immer wieder die Fähigkeiten Medizinischer Fachangestellter belegen, nicht nur Lösungen für akute Praxisprobleme entwickeln, sondern ihre Betriebe auch mit strategisch ausgerichteten Vorschlägen unterstützen zu können. Leider würden die meisten Praxisinhaber hiervon gar nichts halten. ¹

„Die ‚Ressource MFA‘ wird als Quelle zur Kontrolle und Optimierung der Abläufe noch viel zu wenig genutzt“, weiß auch die Dialogpartnerinnen-Betreuerin Birgit Barth. „Es ist im Gegenteil sogar so, dass Medizinische Fachangestellte uns regelmäßig berichten, dass ihre Vorschläge als ‚unwillkommen‘ und ‚überflüssig‘ abgetan werden.“

Auch Konfliktsituationen kosten Geld, denn sie stören die Abläufe und erhöhen auch den Krankenstand im Team. Dazu hieß es hieß es im Juni 2017 in der Ärzte Zeitung online: ² „Studien zufolge beschäftigen sich die Konfliktbeteiligten etwa drei bis vier Stunden pro Woche nur mit dem Konflikt und nicht mit ihrer eigentlichen Arbeit. Zusätzlich besteht das Risiko, dass Patienten solche Streitigkeiten während ihrer Wartezeit mitbekommen und diese negativen Beobachtungen im Bekanntenkreis weitererzählen.“ Bei Konflikten sei es besonders wichtig, sich als Vorgesetzter frühzeitig einzuschalten. Nicht nur hier helfe ein wenig psychologisches Know-how, wie Teams „ticken“. Wie Personalmanagement und -führung funktionieren, stehe aber leider nicht auf dem Lehrplan für Ärzte.

Auch bei Ärzte Zeitung online wird das Potenzial der MFA gesehen: Um den Praxisinhaber zu entlasten, könne dieser wichtige Aufgabenbereich daher durchaus auf eine PraxismanagerIn oder Ersthelferin übertragen werden. Auch diese wäre dann aber vorab zu schulen. (dp)


  1. Klaus-Dieter Thill: „Ungenutzte Leistungspotenziale im Gesundheitswesen: Viele Medizinische Fachangestellte sind intuitive Strategen“. Online auf https://ifabsthill.wordpress.com, 14.07.2017
  2. Dr. Andrea Schuhmacher und Andrea Becker: „Teamführung – Mit wenigen Bausteinen zu mehr Effizienz“. Ärzte Zeitung online, 07.06.2017