der heimliche Einfluss der Warenwirtschaftssysteme in der Apotheke.

-my- Der Medizinethiker Prof. G. Maio hat schon vor vielen Jahren ausdrücklich einer Ökonomie im Gesundheitswesen das Wort geredet. Nur mit einer ausgewogenen, ökonomischen Grundhaltung können wir Gesundheit und Gesundheitsversorgung für möglichst viele in unserer Gesellschaft gewährleisten. Ein erheblicher Störfaktor wird hier aber die zunehmend zu beobachtende Kommerzialisierung. Dass wir alle unseren Beruf ausüben, um damit letztlich auch das lebensnotwendige Geld zu verdienen ist unbestritten, aber wenn einzelne Player meinen, dass sie das Recht haben, sich mehr „herauszuholen“, dann gerät das System schnell in eine bedrohliche Schieflage.

Die Anbieter von Computersoftware für die Apotheken bewerben ihre Warenwirtschaftssysteme gerne mit den Argumenten: mehr Zeit für den Apothekenkunden, Prozessoptimierung, korrekte Handhabung der Rabattverträge und Reimportregeln. Dabei wird aber stillschweigend in Kauf genommen, dass der eigentliche ärztliche Wille, der in eine Rezeptschreibung geflossen ist, sehr oft völlig konterkariert wird. Die Warenwirtschaftssystem sind heute so ausgefeilt, dass sie vor allem die möglichst schlanke Liefersituation des Großhandels fördern und die höchstmögliche Zahl an Rabattverträgen eines Herstellers bündeln. So wird der PTA in der Apotheke und den Apotheker*innen oft „der Stift aus der Hand genommen“, weil diese Systeme ausgesprochen eigenständig agieren. Die Argumente hierfür lauten: tägliche Anpassung an die Kunden- und Marktanfrage, optimales Sortiment, weniger Aufwand bei Bestellung und Wareneingang, kostenoptimierte Sortimentskontrolle. Resultieren soll daraus ein Mehr an Zeit für den Kunden. Klingt gut, ist aber ein weiterer Schritt auf dem Weg, ganz falschen „Mächten“ das Steuer in einer eher fragilen Welt zu überlassen. Wie schon oft an dieser Stelle reklamiert: die ärztliche Verordnung eines Arzneimittels ist und bleibt ein hohes Gut. Dieses hohe Gut darf und kann nicht einer blinden Kostenoptimierung oder Prozesssteuerung geopfert werden. Den Apotheken im Land tut es auch gut, wenn wir definiert und selbstbewusst verordnen. Eben immer mit nec aut idem-Kreuz, wenn es medizinisch indiziert ist!