Ende Juni ging es Schlag auf Schlag: Erst gaben die politischen Gremien der Stadt Bad Bramstedt grünes Licht für die Gründung eines kommunalen MVZ, zwei Tage später zog die Stadt Brunsbüttel nach. Vorbehaltlich der Beschlüsse durch den Zulassungsausschuss, soll der Betrieb in beiden Städten bereits in der ersten Jahreshälfte 2021 aufgenommen werden. In den zu gründenden MVZ werden jeweils vier vormals selbstständige Ärzte*innen in das Angestelltenverhältnis wechseln. Die Bad Bramstedter Ärzte*innen werden zunächst eine Interimslösung in einem ehemaligen Bürogebäude beziehen. Parallel wird bereits der Neubau eines Gesundheitszentrums geplant. Die Brunsbütteler Ärzte*innen müssen nur einmal umziehen und nutzen künftig Räumlichkeiten im ortsansässigen Westküstenklinikum. Beide Projekte hat die Ärztegenossenschaft seit Anfang 2019 intensiv begleitet. „Wie immer war die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Kommune und insbesondere mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektgestaltung“, stellt Mike Pahnke, Ressortleiter Regionale Versorgung, fest. „Dies hat in beiden Projekten hervorragend funktioniert“, zeigt sich der Ressortleiter zufrieden. Die äg Nord wird die Projekte in Bad Bramstedt und Brunsbüttel auch in der Gründungsphase weiter eng begleiten.

Probleme weiten sich aus

Die äg Nord beobachtet mit Sorge, dass sich zunehmend auch kleine und mittlere Städte mit Projektanfragen an die Genossenschaft wenden. „Es ist erschreckend, dass die Nachfolgersuche auch in Städten mit über 10.000 Einwohnern zunehmend schwieriger zu werden scheint“, so Laura Lüth, stellvertretende Geschäftsführerin der äg Nord. Die Genossenschaft arbeitet derzeit an rund einem Dutzend Projekten zur regionalen Versorgung. Das für die jeweilige Region passende Lösungskonzept wird dabei immer in enger Abstimmung mit den niedergelassenen Ärzten*innen und der Kommune erarbeitet. „Auch wenn sich die Gründungen kommunaler MVZ in Schleswig-Holstein häufen, bleiben wir unserer Linie treu und sagen weiterhin voller Überzeugung, dass ein kommunal getragenes MVZ nur der letzten Ausweg sein darf“, so Lüth weiter.