Wie schon in 1. Teil dieses Beitrags gesagt, ist § 4 „Methoden und Instrumente“ eine der wichtigsten Passagen der QM-RL, denn hier werden alle Maßnahmen benannt, die verbindlich in jeder Arztpraxis umgesetzt werden müssen. Und hier gibt es neben den jetzt geforderten Checklisten weitere Neuerungen, die es zusätzlich zum Bisherigen umzusetzen gilt. Einige haben wir bereits →im ersten Teil beschrieben. Es gibt aber noch mehr:

Patienteninformation und -aufklärung

Ob wir es wollen oder nicht, unsere Patienten informieren sich auch selbst. Nicht immer finden sie in Büchern und/oder Internet inhaltlich korrekte Informationen. Die Diskussion der Fehlinformation kann in der Arztpraxis zu einem deutlichen und leider unbezahlten Zeitkosten-Faktor werden. Hier gilt es gegenzusteuern, indem beispielsweise Patienteninformationen in Form von Broschüren oder auch Link-Tipps zu wichtigen Informationen im Internet oder zu Selbsthilfegruppen gegeben werden.

Es gilt festzulegen, für welche Erkrankungen es in der Arztpraxis Informationsbedarf seitens der Patienten gibt. Mögliche Quellen sind zu sichten, zu beurteilen und aufzulisten (Mögliche Fragen: „Ist das Thema relevant für unsere Patienten?“, „Ist die Broschüre aktuell?“, „Ist der Inhalt fachlich richtig?“, „Ist der Text verständlich geschrieben?“, „Ist die Broschüre frei von Werbung?“ etc.).

Arzneimitteltherapiesicherheit

Die Einrichtung soll bei der Verordnung und Verabreichung von Arzneimitteln vermeidbare Risiken, die im Rahmen der Arzneimitteltherapie entstehen, durch geeignete Maßnahmen sicherstellen, dass einschlägige Empfehlungen im Umgang mit Arzneimitteln bekannt sind und sicherstellen, dass angemessene Maßnahmen ergriffen werden, um Risiken im Medikationsprozess zu minimieren

Es gilt zu ergründen, woraus Fehler resultieren können und dem durch geeignete Maßnahmen entgegen zu wirken. (Mögliche Fragestellungen: „Welche Patienten können ein verschriebenes Arzneimittel nicht der Verpackung entnehmen?“, „Welche Patienten könnten aufgrund von Alter, geistiger Behinderung oder anderem ein Arzneimittel falsch einnehmen, wenn ich das necAutidem-Kreuz nicht ankreuze?“ etc.)

Schmerzmanagement

„Bei Patientinnen und Patienten mit bestehenden sowie zu erwartenden Schmerzen erfolgt ein Schmerzmanagement von der Erfassung bis hin zur Therapie, das dem Entstehen von Schmerzen vorbeugt, sie reduziert oder beseitigt“, heißt es in § 4 der QM-RL. Mit dieser Formulierung folgt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fast wortgleich der Forderung des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) im “Expertenstandard Schmerzmanagement”.

Hier geht es zunächst um eine aktuelle, systematische und zielgruppenspezifische Schmerzeinschätzung und Verlaufskontrolle, sowie auch um die Festlegung, wann ein Behandlungsziel als erreicht betrachtet werden kann (ggf. Verwendung einer standardisierten Schmerzskala). Eine aktuelle Dokumentation schmerzmittelbedingter Nebenwirkungen sollte vorliegen. Schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen sollen verhindert bzw. erfolgreich behandelt werden.

Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen bzw. Sturzfolgen

Sturzprophylaxe hat zum Ziel, Stürzen vorzubeugen und Sturzfolgen zu minimieren, indem Risiken und Gefahren erkannt und nach Möglichkeit beseitigt oder reduziert werden. Dazu gehören Maßnahmen zur Risikoeinschätzung und vor allem adäquate Maßnahmen zur Sturzprävention.

Hier gilt es Ursachen und Risiken aufzudecken und diesen mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken. Neben Ursachen im Umfeld des Patienten wie beispielsweise Stolperfallen und glatte Böden in der Wohnung können auch gesundheitliche Probleme wie beispielsweise unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Sehbehinderungen, Orthostase oder Schwindel sowie Erkrankungen, die den Gleichgewichtssinn beeinträchtigen, ursächlich sein.

Hilfen zur Umsetzung

Die Ärztegenossenschaft Nord bietet im Rahmen des Dialogpartnerinnen-Programms die Möglichkeit zur Online-Schulung der Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Neben der Weiterbildung im Rahmen von Qualitätsmanagement werden regelmäßig auch viele weitere Themen angeboten. Wer seine Medizinischen Fachangestellten zum Programm anmeldet, erfüllt damit auch weitgehend die Forderung nach regelmäßiger Schulung. Was bleibt, ist die diesbezügliche Dokumentation in der Arztpraxis. Die Ärztegenossenschaft Nord beteiligt sich für ihre Mitglieder hälftig an den für Sie aus der Teilnahme entstehenden Kosten.*

Das Anmeldeformular kann hier heruntergeladen werden: https://dialogpartnerinnen.de/dateien/anmeldung/dp-anmeldung.pdf

Hinweis für NEU-Niedergelassene:

Die in § 4 aufgeführten Methoden und Instrumente sind innerhalb von drei Jahren nach Zulassung bzw. Ermächtigung der an der vertragsärztlichen Versorgung Teilnehmenden in der Einrichtung umzusetzen, regelmäßig zu überprüfen sowie im Anschluss kontinuierlich weiterzuentwickeln.


*Kosten der Teilnahme am Dialogpartnerinnen-Programm: 60 EUR/Jahr/MFA, gedeckelt auf max. zehn MFA, d.h. ab der 11. MFA entstehen keine weiteren Kosten mehr.
(dp)