Am 15. November 2016 ist die neue, sektorenübergreifende Qualitätsmanagement-Richtlinie (QM-RL) in Kraft getreten. Schnell hat die Presse sich darauf eingeschossen, die jetzt für ambulant tätige Chirurgen notwendigen Checklisten als wichtigste Neuerung anzupreisen. Und so geschah es, dass weitere wichtige Änderungen in vielen Arztpraxen überhaupt nicht oder nur am Rande wahrgenommen wurden.

Wie schon zuvor ist § 4 „Methoden und Instrumente“ eine der wichtigsten Passagen der QM-RL, denn hier werden alle Maßnahmen benannt, die verbindlich in jeder Arztpraxis umgesetzt werden müssen. Und hier gibt es neben den jetzt geforderten Checklisten weitere Neuerungen, die es zusätzlich zum Bisherigen umzusetzen gilt. In diesem und nachfolgenden Beiträgen beleuchten wir die Neuerungen grob:

Fortbildungs- und Schulungsmaßnahmen

Neu ist, dass es nicht mehr nur um Pflichtveranstaltungen wie Hygiene oder Notfallmanagement geht, sondern darum, dass jetzt ALLE Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig an Fortbildungen mit unmittelbarem Bezug zur eigenen Tätigkeit teilnehmen sollen. Die Fortbildungen müssen in ein auf die Mitarbeiterin und den Mitarbeiter abgestimmtes Konzept eingebunden werden. (z.B. Überwiegende Tätigkeit sitzend in Abrechnung und Verwaltung: „Tipps für den gesunden Rücken“, „Schulung zur Praxis-Software etc.)

Mitarbeiterbefragungen

Neben der bisher schon geforderten regelmäßigen Patientenbefragung muss jetzt auch regelmäßig eine möglichst anonyme Mitarbeiterbefragung durchgeführt werden. Hintergrund: Bei Erhebungen in den Arztpraxen war es häufig so, dass die Wahrnehmung einer Situation seitens der Praxisinhaber stark von der Einschätzung des Medizinischen Fachpersonals abwich.

Es gilt insbesondere Organisationsmängel aufzudecken, die zu Mehrbelastung und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz führen. Die erhobenen Daten können gleichzeitig für die Gefährdungsbeurteilung zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz mitgenutzt werden (Forderung lt. Arbeitsschutzgesetz). Zu den Verfahrens- und Arbeitsanweisungen sollten regelmäßig Schulungen stattfinden. Checklisten unterrichten, wer wann, wie und wofür im Falle von Unklarheiten zu befragen bzw. zu informieren ist.

Schnittstellenmanagement

Die meisten Schadensfälle resultieren aus Kommunikationsfehlern zwischen Berufsgruppen und an Schnittstellen von Organisationseinheiten. Im Rahmen der Patientensicherheit geht es deshalb jetzt darum, dass an keiner Stelle eine wichtige Information verloren gehen oder falsch übermittelt werden kann. Das betrifft nicht nur Krankenhäuser, sondern auch jede noch so kleine ambulante Einrichtung. Zu denken ist hier beispielsweise an jedwede Kommunikation zwischen Ärzten innerhalb einer Praxis, mit anderen Arztpraxen, zwischen Ärzten und Psychotherapeuten, zwischen Niedergelassenen und Krankenhäusern sowie zwischen Ärzten und Physiotherapeuten usw.

Es gilt potenzielle Risiken für die Kommunikation aufzudecken („Wen rufe ich mal eben schnell an und halte es erst später schriftlich fest?“, „Für welche Schnittstelle gibt es für die Medizinischen Fachangestellten keine Checkliste, obwohl sie den Bereich maßgeblich managen?“ usw.). Diesbezüglich müssen verbindliche Abläufe festgelegt und überprüfbar im QM-Handbuch hinterlegt werden.

Hilfen zur Umsetzung

Die Ärztegenossenschaft Nord bietet im Rahmen des Dialogpartnerinnen-Programms die Möglichkeit zur Online-Schulung der Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Neben der Weiterbildung im Rahmen von Qualitätsmanagement werden regelmäßig auch viele weitere Themen angeboten. Wer seine Medizinischen Fachangestellten zum Programm anmeldet, erfüllt damit auch weitgehend die Forderung nach regelmäßiger Schulung. Was bleibt, ist die diesbezügliche Dokumentation in der Arztpraxis. Die Ärztegenossenschaft Nord beteiligt sich bei Mitgliedspraxen hälftig an den für Sie aus der Teilnahme am Dialogpartnerinnenprogramm entstehenden Kosten.*

Das Anmeldeformular kann hier heruntergeladen werden: https://dialogpartnerinnen.de/dateien/anmeldung/dp-anmeldung.pdf

Hinweis für NEU-Niedergelassene:
Die in § 4 aufgeführten Methoden und Instrumente sind innerhalb von drei Jahren nach Zulassung bzw. Ermächtigung der an der vertragsärztlichen Versorgung Teilnehmenden in der Einrichtung umzusetzen, regelmäßig zu überprüfen sowie im Anschluss kontinuierlich weiterzuentwickeln.

→ Lesen Sie hier Teil 2


*Kosten der Teilnahme am Dialogpartnerinnen-Programm: 60 EUR/Jahr/MFA, gedeckelt auf max. zehn MFA, d.h. ab der 11. MFA entstehen keine weiteren Kosten mehr.
(dp, Fortsetzung folgt)