Aber dies Thema beschäftigt uns nicht nur in Schleswig-Holstein und längst nicht nur an der Westküste oder nur bei hausärztlichen Praxen – die tradierte ärztliche Versorgungsstruktur ist in einem radikalen Wandel. Beginnend mit gemeinschaftlichen Praxisbetrieben haben sich Praxisketten und Filialpraxen entwickelt, Versorgungszentren aller Art entstehen in Stadt und Land, bevorzugt mit Hausärzten in Anstellung, moderne Telemedizin kommt mit delegierbaren Leistungen zum Einsatz.

Das mag manchem Leser ein Horror sein, ist aber Realität und vielerorts notwendige Konsequenz. Die Versorgung der Bevölkerung steht im Vordergrund, sie ist gefährdet – trotz Sicherstellungsauftrag der KV´en, finanzieller Anreize, vieler werbender Aktionen bis hin zu einer Landarztquote.

Freiberuflich und auch unternehmerisch denkende Ärzte/innen übernehmen zunehmend Initiative und Verantwortung. Sie schaffen durch Kooperation und Arbeitsteilung mit einer entsprechenden Praxisorganisation die Voraussetzung für den Erhalt der Versorgung in einer Region.

Dazu bedarf es notwendiger Motivation, finanzieller Investition, rechtlicher und wirtschaftlicher Beratung. Das ganze Paket überfordert die Kollegen oft, zumal wenn Nachfolgeregelungen drängen. Daraus ergibt sich die Chance für Kliniken und Investoren, in die ambulante Versorgung vorzudringen. Dies dient weniger dem Patientenwohl als den Renditeabsichten.

Wenn durch die geplanten Änderungen im SGB V (TSVG) regionale Praxisnetze das Recht zur Gründung von Versorgungszentren erhalten, so ist dies ein wichtiger Impuls, die regionale Versorgung mitzugestalten, auch mit Kommunen, auch mit weiteren sozialen und medizinischen Partnern, auch mit dem Management unserer äg Nord, dem Gemeinwohl verpflichtet.

Trotz wichtiger Impulse aus Berlin bleibt auch die Landespolitik in der Pflicht und sollte jetzt die richtigen Weichen stellen, um zukunftsfähige Ideen Realität werden zu lassen. Leuchtturmprojekte und Einzelfallentscheidungen reichen längst nicht mehr, denn in immer mehr Regionen ist die Versorgung ernsthaft gefährdet. Gemeinsam müssen belastbare Lösungen gefunden werden, um mit den teilweise widersprüchlichen Vorgaben des SGB V, BGB und der Gemeindeordnung SH umzugehen und den Ärzte/innen, Kommunen und Kreisen in Schleswig-Holstein endlich Planungs- und Rechtssicherheit zu geben.