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Protestaktion Fachkräftemangel – „Nein zur Gesundheitsversorgung nach Kassenlage“

03.01.2023 | Gesundheitspolitik, Pressemitteilungen

Wann: 11.01.2023
Was: Ärztemangel, weniger Sprechstunden, längere Wartezeiten, schlechtere Versorgung
Thema: Mangel an ärztlichem und nichtärztlichem Personal

Ärztegenossenschaft ruft Landespolitik zu Maßnahmen gegen Ärztemangel auf

Bad Segeberg – Angesichts einer dramatischen Ruhestandswelle bei Ärztinnen und Ärzten muss Schleswig-Holstein attraktiver werden für den Nachwuchs. Darauf macht die Ärztegenossenschaft Nord (ägNord) in der konzertierten Aktion mit den Praxisnetzen und Berufsverbänden vor ihrem Protesttag am 11. Januar aufmerksam – und fordert die Landesregierung zum Handeln auf.

Patientinnen und Patienten finden keine Praxis mehr

Schon heute erleben viele Patienten und Patientinnen in Schleswig-Holstein den Mangel an Ärztinnen und Ärzten. Nicht nur auf dem Land, sondern auch in Städten mit ihrem Umland wie z.B. Pinneberg, Elmshorn, Husum oder Neumünster ist es für sie mitunter schwierig, etwa eine Arztpraxis zu finden. Angesichts der Tatsache, dass aktuell jeder dritte niedergelassene Allgemeinmediziner über 60 Jahre alt ist, ruft die Ärztegenossenschaft Nord die Landespolitik jetzt zum Handeln auf.

Konkurrenz mit anderen Bundesländern

„Wir begrüßen es, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Länder auffordert, mehr Studienplätze für Medizin zu schaffen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Svante Gehring.

„Bis ein Student oder eine Studentin allerdings für die Versorgung zur Verfügung steht, vergehen zehn bis zwölf Jahre.“ Bis dahin, so Gehring, müsse das Land alles tun, um diejenigen, die an den eigenen Hochschulen Medizin studieren, in Schleswig-Holstein zu halten – und auch für Nachwuchskräfte aus anderen Bundesländern attraktiver werden.

Finanzielle Anreize schaffen

Verbesserungspotenzial sieht die Ärztegenossenschaft zum Beispiel beim Praktischen Jahr, das Studierende der Medizin im letzten Jahr ihres Studiums absolvieren. „Aktuell wird diese Zeit unzureichend, unterschiedlich bis gar nicht vergütet“, sagt Dr. Axel Schroeder, der stellvertretende Vorsitzende der Genossenschaft. „Mit finanziellen Anreizen könnte das Land hier leicht auf sich aufmerksam machen“, so Schroeder. Zudem solle sich die Landesregierung für eine schnelle Umsetzung der neuen ärztlichen Approbationsordnung einsetzen, die die Ausbildung in der ambulanten haus- und fachärztlichen Grundversorgung stärke.

Professionelles Aus- und Weiterbildungsmanagement

Schroeder sieht auch im Ablauf der Aus- und Weiterbildung von Studenten und Studentinnen beziehungsweise Ärzten und Ärztinnen die Möglichkeit, sich als Land von anderen abzusetzen. „Mit einem professionellen, regionalen Ausbildungs- oder Weiterbildungsmanagement für die Kliniken und Praxen (Verbundweiterbildung) könnten wir ihnen eine Art Rundum-sorglos-Paket bieten“, sagt Schroeder. Die Ärztegenossenschaft, die sich seit jeher in der Förderung der Weiterbildung engagiert, könne hier auch unterstützen und junge Mediziner in Schleswig-Holstein binden“. Neben der äg Nord und den Kommunen sind auch andere ärztlichen Institutionen schon mit solchen Initiativen in Vorleistung gegangen.

Reine Arbeitszeit in den Praxen wird sinken

Svante Gehring verweist darauf, dass es künftig nicht reichen werde, die freiwerdenden Arztstellen mit Nachwuchskräften zu besetzen. „Die nachfolgenden Generationen streben eher Angestelltenverhältnisse und Teilzeitstellen an und stellen damit im Schnitt weniger Arbeitszeit als ihre Vorgänger und Vorgängerinnen zur Verfügung“, so Gehring. „Gleichzeitig wird die Versorgung aufgrund der Alterung der Gesellschaft immer umfassender. Zunehmende Anforderungen, unklare Entwicklung der Qualifikation (Delegation/Substitution), Organisation und Finanzierung erschweren den Wettbewerb um junge Ärztinnen und Ärzte“.

Eine Gesundheitsversorgung nach Kassenlage ist keine Perspektive!

Auf die Folgen des zunehmenden Fachkräfte- und Ärztemangels wird die Ärztegenossenschaft am 11. Januar aufmerksam machen.

Weitere Hinweise, die aktuelle Entwicklung sowie Material für die Protestaktion finden Sie hier.

Bad Segeberg, den 03.01.2023

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Dr. Axel Schroeder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender
Tel.: 04551 9999-0, E-Mail: aerztegenossenschaft@aegnord.de