Pressemitteilung Bad Segeberg, 22.11.2021

Die Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord) begrüßt das Ampel-Papier der AG Gesundheit und Pflege, die Aufhebung der starren Budgets sei Voraussetzung einer wohnortnahen, qualifizierten Versorgung.

„Wenn nun tatsächlich die Budgetierung im hausärztlichen Bereich fallen sollte und ich hoffe, nicht nur in unterversorgten Gebieten“, so Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher im Vorstand und selbst Hausarzt, „so wäre das ein erster Schritt zur Sicherung der flächendeckenden Versorgung!“ Gehring sieht aber das Nadelöhr bei allen Leistungen von grundversorgenden Haus – und Fachärzten verortet und fordert daher mehr Mut von den Koalitionären, um jetzt wirklich die von Haus- und Fachärzten getragene Primärversorgung deutlich zu stärken.

„Die Ambulantisierung zu fördern, um unnötige stationäre Leistungen zu vermeiden, ist längst überfällig“, so Vorstandsmitglied Dr. Axel Schroeder, “zur Abschaffung der ambulant-stationären Sektorengrenzen gehören aber auch Rahmenbedingungen, die das Zusammenwirken von Fachärzten in Klinik und Praxis besser ermöglichen“. Mit der Einführung von „Hybrid-DRGs“ sollte es nicht nur gleiches Geld für gleiche, qualifizierte Leistungen geben, sondern müsse auch der Erlaubnisvorbehalt abgeschafft und eine ausreichende Hygiene – und Personalkostenbemessung ermöglicht werden.

Die Ansätze der Ampel zur sektorenübergreifenden und bevölkerungsbezogenen Versorgung sowie die angekündigten größeren Spielräume für Verträge zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern, erkennt die äg Nord als positive Signale an. „Doch um eine Klammer um Gesundheitsregionen zu legen, wirklich sektorenübergreifend und transprofessionell zusammenarbeiten zu können, braucht es einen noch größeren Wurf“, gibt Gehring zu bedenken. Die äg Nord, die mit den Kommunen im Norden zahlreiche Versorgungszentren entwickelt hat und managt, freut sich zwar über den in Aussicht gestellten Abbau von bürokratischen Hürden, sieht aber eine Weiterentwicklung in regionalen Gesundheitsgenossenschaften, die neben Kommunen alle Gesundheitsberufe und Einrichtungen einer Region einbinden dürfen, als zielführender an und würde bei dem ohnehin bestehenden Fachkräftemangel auch Gemeindeschwestern und Gesundheitslotsen überflüssig machen.

Zweifel kündigt die äg Nord aber auch an. „Ob all die Impulse der Ampel-Koalitionäre greifen“, so Gehring, „hängt von einer größeren Einbindung der vor Ort tätigen und betroffenen Akteure ab.“ Bisher hätte jeder Digitalisierungsschritt und angekündigter Bürokratieabbau am Ende immer mehr statt weniger Arbeitszeit gekostet, die dann der Patientenversorgung fehlte. Subsidiarität sei daher nicht nur ein Prinzip, sondern ein einzufordernder Wert dieser Gesellschaft!

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher Vorstand
Tel.: 04551 9999-0 – E-Mail: kontakt@aegnord.de


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