Koalition will in einem Gesetzentwurf den Schutzschirm für Arztpraxen einklappen. Die Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord) fordert die lückenlose Fortsetzung des Schutzschirms in der Pandemie.

Sieben von acht COVID-19 Patienten werden ambulant von Haus- und Fachärzten medizinisch versorgt, damit die Krankenhäuser genügend Kapazitäten für die schweren Fälle haben. „Wir bilden den Schutzwall für die Kliniken und halten unsere Praxen für Infekt-Sprechstunden, dringende Fälle und für unsere chronischen Patienten offen“, so Hausarzt Dr. Svante Gehring, Vorstandssprecher der äg Nord. Da im Lockdown weniger Patienten in die Praxen kommen, befürchtet Gehring ein Fortschreiten vieler Erkrankungen, weil sich Patienten aus Sorge vor Infektionen, Behandlungen und deren Kontrollen entzögen.

„Ambulantes Operieren, insbesondere Vorsorge-, Nachsorge- und Früherkennungsuntersuchungen werden deutlich weniger genutzt. Krebserkrankungen werden damit später entdeckt, mit der Folge, dass man fortgeschrittene Tumorerkrankungen nicht mehr operieren oder bestrahlen kann“, so der Urologe und Gehrings Vorstandskollege Dr. Axel Schroeder. „Unsere Praxen halten wir offen, Telefon und Videosprechstunden können aber als Kompensation dieser Präventionsleistungen nicht dienen“, so Schroeder weiter.

Die äg Nord fordert im Entwurf des EpiLage-Fortgeltungsgesetz auch Ausgleichszahlungen außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung zu finanzieren. Haus- und insbesondere Fachärzte erbringen einen nicht unerheblichen Anteil an extrabudgetären vertragsärztlichen Leistungen, die außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung bezahlt werden. Dies müssen die Krankassen weiter übernehmen.

Die äg Nord fordert die Bundesregierung deshalb auf, diesen Gesetzesentwurf zu revidieren. „Wir können nicht akzeptieren, dass Ärzte bei nicht von ihnen zu verantwortenden Fallzahlrückgängen, ohne angemessenen Ausgleich bleiben sollen“, so Gehring, “wir sehen sonst Gefahren in der Fortführung von Arztpraxen und der regionalen Versorgung.“

Gehring wies in der Vergangenheit wiederholt darauf hin, dass die fehlende Wertschätzung der ambulanten Versorgung, die sich auch in der fehlenden Berücksichtigung der Medizinischen Fachangestellten (MFA) bei der CORONA-Prämie und der nachrangigen Impfpriorisierung zeige, nicht mehr hinnehmbar sei! Die niedergelassenen Ärzte tragen die Hauptlast der medizinischen Versorgung. Wenn dann Ärzte aus Frust hinschmeißen und Praxen nicht mehr nachbesetzt würden, sei das die Folge dieser Politik.

Bad Segeberg, 12.02.2021

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher Vorstand der äg Nord
Tel.: 04551 9999-0 – E-Mail: kontakt@aegnord.de


Pressemitteilung: äg Nord fordert lückenlose Fortsetzung des Schutzschirms