Über Versorgungszentren und integrierte Versorgung unterschiedlicher Form wird schon lange diskutiert, auch in den Wahlprogrammen der Parteien findet sich diese gesundheitspolitische Zielsetzung, aber fast immer bleibt es bei theoretischen Ansätzen.

„Neue Versorgungsstrukturen sind keine Spielerei, sondern dringend erforderliche Maßnahmen für eine gesicherte und patientenorientierte Zukunft unseres Gesundheitswesens“, so Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher im Vorstand der Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord).

Umso erfreulicher sei die pragmatische Herangehensweise der Robert-Bosch-Stiftung (RBS), die seit einigen Jahren exemplarische Modellprojekte in PORT (patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung) finanziell und organisatorisch fördert und nun ihre Ergebnisse in einem zukunftsweisenden Bericht veröffentlicht hat, der für eine multiprofessionelle Primärversorgung im Sinn der Patienten und der Gesundheitsberufe eine Blaupause liefert. Das PORT-Zentrum am Standort Büsum wurde u.a. mit Hilfe und Geschäftsführung der äg Nord entwickelt.

„In Büsum haben wir die Zusammenarbeit der Heilberufe bestens organisiert, von einem ineinandergreifen der Versorgung sind wir aber immer noch weit entfernt“, so Herr Thomas Rampoldt, Geschäftsführer des Zentrums. Er sieht zahlreiche bürokratische und rechtliche Hürden und auch die Managementleistungen dieser koordinierten Versorgung würden im System nicht bezahlt, sondern durch Kommune und RBS subventioniert. „Nun hoffen wir auf sozialpolitische und gesetzgeberische Beschlüsse, die den Aufbau und die dauerhafte Realisierung regionaler multiprofessioneller Versorgungszentren fördern, denn ohne das Engagement der Robert-Bosch-Stiftung bleibt es bei befristeten Modellen“, so Rampoldt weiter.

Die äg Nord mahnt aber – bei all dem Aktivismus und den kommenden gesetzlichen Initiativen – die bestehenden Strukturen wie z.B. regionale Praxisnetze nicht zu zerstören, sondern zu integrieren. „Selbstständige müssen mit Angestellten verschiedener Professionen und Einrichtungen – gerne unter Einbeziehung der Kommunen – unter einem Dach auf Augenhöhe im Team zusammenarbeiten können, ohne ihre Selbstständigkeit und Freiberuflichkeit zu verlieren“, so Gehring.

Die äg Nord arbeitet an entsprechenden Konzepten und diskutiert diese derzeit mit der Politik und den Kostenträgern. Sie fordert neue sozialpolitische Vorgaben, die existenz- und identitätsbewahrende Bottom-up-Ansätze in der regionalen Versorgung fördern.

Bad Segeberg, 31.05.2021

Pressekontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher Vorstand
Tel.: 04551 9999-0 – E-Mail: kontakt@aegnord.de


Pressemitteilung: äg Nord begrüßt Aufschlag der Robert-Bosch-Stiftung