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Praxisnachfolge? Der frühe Vogel fängt den Wurm.

27.05.2024 | Ärzteschaft, Info

Insbesondere in ländlichen Gegenden wird es zunehmend schwer bis nahezu unmöglich eine Praxisnachfolge sicherzustellen. War es früher noch so, dass der Verkauf der eigenen Praxis als Zubrot zur Altersversorgung angesehen werden konnte, müssen niedergelassene Landärzte und -ärztinnen heute teils schon froh sein, wenn sie ihr Inventar beim Eintritt in den Ruhestand nicht kostenpflichtig entsorgen müssen.

Die Zeiten ändern sich

Dass die junge Ärzteschaft der stationären Versorgung verhaftet bleibt oder sich städtisch orientiert, ist eigentlich kaum zu verstehen. Denn oft genug werden der daraus resultierende Stress und die fehlende Work-Life-Balance thematisiert. Nicht zu vergessen: Die Arbeitsbedingungen haben sich auch in ländlichen Gebieten mittlerweile deutlich verändert. Der viel zitierte Landarzt, der 24 Stunden rund um die Uhr im Einsatz ist, ist mittlerweile Geschichte. Und ja, auch in ländlichen Gebieten können junge Ärzte und Ärztinnen vielerorts im Angestelltenverhältnis arbeiten. Was aber kann getan werden, um die Umgebung und die eigene Praxis für neue Ärzte und Ärztinnen attraktiv zu machen?

Junge Ärzte und Ärztinnen wissen, was sie wollen

Es geht nicht nur um geregelte Arbeitszeiten. Es geht auch um Teamarbeit, Vertretung, Wissensaustausch und in gewissem Maße um Spezialisierung. Pluspunkte am Rande wären noch eine moderne Ausstattung mit Medizingeräten, aber vor allem auch die Praxissoftware. Investitionen in die eigene Praxis lohnen sich daher auch dann noch, wenn der Ruhestand in zehn Jahren angedacht ist.

Die moderne Praxis sollte außerdem für Interessierte erreichbar sein. Damit ist nicht die Verkehrsanbindung gemeint, sondern ein Internetauftritt, der der Praxis ein Gesicht gibt. Junge Ärzte und Ärztinnen sind webaffin. Wenn sie über eine ansprechende Anzeige stolpern, werden sie in nahezu jedem Fall im Internet nach der Praxis suchen und dann sollte sie dort auch gut aussehen.

Die Liebe zur Tätigkeit als Landarzt wecken

“Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.”

Antoine de Saint-Exupéry über Motivation

Die Liebe zur Tätigkeit als Landarzt gedeiht am besten über einen längeren Zeitraum. Die meisten jungen Ärzte und Ärztinnen haben ja durchaus ein ernsthaftes Interesse an einem gut funktionierenden Gesundheitswesen und vor allem auch an einer guten und empathischen Patientenversorgung. Und sie wollen sich auch im Beruf weiterentwickeln. Und genau das ist in ländlichen Gebieten alles möglich. Die Patienten und Patientinnen sind weniger anonym. Bei vielen Erkrankungen werden zudem Familienzusammenhänge deutlich, weil mehrere Generationen die gleiche Praxis aufsuchen. Und ja, der junge Arzt und die junge Ärztin können sich plötzlich auf das Wesentliche konzentrieren, auf all das, was sie mit ihrem Medizinstudium eigentlich erreichen wollten.

Schon an Weiterbildungsbefugnis gedacht?

Längere Zeiträume für den Aufenthalt von jungen Ärzten und Ärztinnen lassen sich gut im Rahmen einer Weiterbildung zum Facharzt, z.B. für Allgemeinmedizin, abbilden. Dafür ist es allerdings notwendig, dass der oder die Niedergelassene eine Weiterbildungsbefugnis für sich erwirbt. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, kann auf der Website der Ärztekammer Schleswig-Holstein nachgelesen werden.

Es wird ggf. nicht der oder die erste in der Praxis Weitergebildete vor Ort bleiben. Vielleicht wird es aber der zweite oder dritte Arzt in Weiterbildung für sich wollen. Es heißt also: Liebe Landärzte und -ärztinnen, fangt rechtzeitig vor dem Ruhestand an, Nachfolger auszubilden, denn nur der frühe Vogel fängt den Wurm!

Je eher und je mehr Fachärzte in Landarztpraxen ausgebildet werden, desto besser sind die Chancen für das Überleben einer annähernd flächendeckenden hausärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen.

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