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Notfallreform: Versorgung stärken, nicht gefährden

19.11.2025 | Gesundheitspolitik

Die Bundesregierung bringt die lange erwartete Notfallreform auf den Weg. Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI GENO Deutschland e. V. begrüßt das Vorhaben – warnt jedoch vor erheblichen Risiken für die ambulante Versorgung, wenn zentrale Punkte nicht nachgebessert werden.

Mehr Steuerung – aber bitte realistisch

„Wir brauchen die Reform – aber sie muss sich an der Realität des Fachkräfte- und Ärztemangels orientieren“, betont Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO und niedergelassener Kardiologe.
Die geplanten 24/7-Strukturen bergen aus seiner Sicht die Gefahr, Personal und Ressourcen zu Lasten chronisch kranker Patientinnen und Patienten aus der Regelversorgung abzuziehen. „Wir dürfen Versorgungslücken nicht einfach verlagern.“

24/7-Strukturen sind Zusatzleistungen – und müssen bezahlt werden

Besonders kritisch sieht der Verband die zusätzlichen Belastungen durch:

  • Rund-um-die-Uhr-Videosprechstunden
  • Fahrdienste
  • Dokumentationsaufwand
  • Investitionen in digitale Infrastruktur

Diese Leistungen seien „klar zusätzliche Angebote der Vertragsärzteschaft“ und müssten vollständig refinanziert werden. MEDI fordert zudem eigenständige Honorierungsmodelle für telemedizinische Akutleistungen – idealerweise integrierbar in bestehende Selektivverträge.

Telemedizin braucht klare Regeln

Neben der Finanzierung verlangt Smetak auch klare Haftungsgrenzen für telemedizinische Ersteinschätzungen.
Gleichzeitig sollten Patientinnen und Patienten stärker in die Pflicht genommen werden: „Effiziente Steuerung funktioniert nur, wenn vorgegebene Versorgungspfade konsequent eingehalten werden.“

Belastungsanalysen und Einbindung der Niedergelassenen

Auch Dr. Ralf Schneider, stellvertretender Vorsitzender und Hausarzt im MEDI-MVZ Rheinland-Pfalz, warnt vor ungedeckten Belastungen.
Vor einer flächendeckenden Umsetzung brauche es:

  • belastbare Personal- und Belastungsanalysen
  • Mindestvoraussetzungen für die personelle Ausstattung
  • eine aktive Einbindung der Niedergelassenen in die Ausgestaltung der INZ-Konzepte

„Wir tragen einen großen Teil der Notfallmedizin. Dann müssen unsere Erfahrungen zwingend in die Reform einfließen.“

Gute Konzepte – aber nur umsetzbar mit den richtigen Ressourcen

Die Reform setzt auf bundesweit einheitliche Ersteinschätzungen und eine stärkere Verzahnung von 116117 und 112 – beides aus Sicht von MEDI richtige Schritte.

Doch Smetak warnt: „Eine tägliche 24-Stunden-Versorgung braucht eine realistische Personalplanung, klare Abgrenzungen und eine angemessene Finanzierung. Sonst scheitert die Reform – und gefährdet die Regelversorgung.“

pi MEDI GENO, 19.11.2025

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