Der Bewertungsausschuss hat in seiner Sitzung vom 25. Juli neue Palliativleistungen beschlossen, die zum 1. Oktober in den EBM aufgenommen werden sollen. In einem Offenen Brief an den GKV-Spitzenverband und die KBV kritisiert der Deutsche Hausärzteverband nunmehr die Bedingungen, die für die Abrechnung der neuen Palliativleistungen gelten sollen.

Hausärztinnen und Hausärzte würden gezwungen, umfangreiche Zusatzqualifikationen nachzuweisen, die teilweise bereits in ihrer fünfjährigen Weiterbildung enthalten seien. Zudem werde gefordert, dass eine mindestens zweiwöchige Hospitation in einer Einrichtung der Palliativversorgung, oder einem SAPV-Team, oder die Betreuung von mindestens 15 Palliativpatienten innerhalb der vergangenen drei Jahre nachgewiesen werde. Zusätzlich sollen dann noch umfangreiche Kurs-Weiterbildungen nachgewiesen werden. Es sei realitätsfern zu erwarten, dass Hausärzte den Anforderungen ohne Praxisschließung in den jeweiligen Zeiträumen gerecht werden könnten.

Der Deutsche Hausärzteverband betrachtet die beschlossenen Regelungen „als eine systematische und intendierte Ausgrenzung der Hausärztinnen und Hausärzte aus der palliativmedizinischen Versorgung“. Die Folge werde sein, dass hochbetagte und/oder schwerstkranke Patienten in ihrer letzten Lebensphase nicht von ihrem/ihrer vertrauten Hausarzt/Hausärztin versorgt werden könnten, sondern im Zweifel verschiedene Gebietsfachärzte konsultieren müssten. Es sei nicht nachvollziehbar, weswegen bewährte Versorgungsstrukturen aufgebrochen und in diesem Zuge die häufig Jahrzehnte andauernden Beziehungen zwischen Patienten und ihren Hausärztinnen und Hausärzten gefährdet würden.

Hier finden Sie den Offenen Brief im Download: www.hausaerzteverband.de

Kommentar der ÄG Nord:

Sollte es wahr sein, dass die Verhandler der KBV ohne Rücksprache und Konsentierung mit dem Hausärzteverband in den Bewertungsausschuss gehen? Wer versorgt Palliativpatienten mehrheitlich? Qualifikation ist wichtig, im angemessenen Rahmen der Leistung am Patienten. (kb)

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