Vorstandsmitglied Dr. Klaus Bittmann spricht über die Wiedervereinigung vor 30 Jahren. Bittmann war zu dieser Zeit auf einem Verbandstreffen in Köln und wie alle Teilnehmer sehr überrascht, als jemand „hereinplatzte“ und mitteilte, dass die Mauer gefallen sei. Bittmann hat in diesem Zuge über Verbandskontakte sofort Kontakt zu Ärzten in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. Auf Bundesebene gab es die Entscheidung, welche Bundesländer sich um welches neue Bundesland nach der Wiedervereinigung „kümmern“ sollten. Für Schleswig-Holstein galt es, sich um Mecklenburg-Vorpommern zu „kümmern“. Damals war Bittmann Vorsitzender des NAV-Virchow-Bundes und machte sich auf, sich mit Vertretern der wenigen freiberuflichen Kollegen zu treffen. Aus den intensiven Gesprächen sind auch Freundschaften entstanden, so Bittmann. Es bleibt unvergesslich, wie sich die Dinge damals abspielten und wie die Kollegen die in staatlich gelenkter Anstellung waren, nun in die freie Praxis wollten.

Es folgten zahlreiche Beratungen, wie das (westliche) System funktioniert und wie man eine Praxis gründet. Dies war umfassende, schwierige und komplexe Materie, so Bittmann. Die Euphorie zur Niederlassung war groß und wir haben das sehr gefördert, zumal die damaligen Poli-Kliniken außerordentlich in Verruch waren. Sie galten als von der Stasi infiltrierte Versorgungseinheiten, in denen alles kontrolliert wurde. Dies war auch die Motivation, den “Abriss” von Poli-Kliniken und Ambulanzen zu fördern. Heute muss man sagen, dass dies nicht ganz richtig war. Man hätte diese Einrichtungen von der Systematik her erhalten können und vielleicht auch müssen, denn heute sind wir wieder soweit, dass wir Medizinische Versorgungszentren (MVZ) aufbauen, nur eben in freiheitlicher Struktur. Parallel hierzu läuft derzeit aber auch unter Kollegen die Abwehr solcher MVZ, da sie ein Einfallstor – nicht wie damals für die Stasi -, sondern heutzutage für Kapitalgesellschaften sein können. Das MVZ ist in starker Diskussion und wir müssen alles dafür tun, dass diese von freien Ärzten und nicht von Ideologen oder Kapitalisten geleitet werden.

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