Thomas Rampoldt, Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft Nord und des Ärztezentrums Büsum, zieht nach gut drei Jahren Praxisbetrieb eine erste Bilanz.

Am 01.04.2015 nahm in Büsum die bundesweit erste kommunale Eigeneinrichtung ihren Betrieb auf. Was als Experiment begann, hat sich mittlerweile zu einem erfolgreichen Leuchtturmprojekt entwickelt. Das „Büsumer Modell“ findet in ganz Deutschland Beachtung und hat dazu geführt, dass die Ärztegenossenschaft Nord an mittlerweile knapp zwanzig Projekten zur Sicherung der ärztlichen Versorgung auf dem Land arbeitet.

ÄGN: Wenn Sie auf die Entwicklung der letzten drei Jahre zurückschauen, haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Rampoldt: Nein, das war in dieser Form nicht abzusehen. Wir sind damals mit dem Ziel gestartet, vier Hausarztsitze langfristig an den Standort Büsum zu binden. Um diese vier Hausarztsitzen herum ist seitdem ein Gesundheitszentrum mit Apotheke, Physiotherapie und Kurbereich entstanden. Sogar ein eigenes Schulungszentrum ist inzwischen Bestandteil unserer Einrichtung. Folglich können Sie mittlerweile schon von außen erkennen, dass es sich hier nicht mehr nur um eine große Arztpraxis handelt.

ÄGN: Was hat aus Ihrer Sicht zum Gelingen des Projektes beigetragen?

Wir hatten das große Glück sowohl von Seiten der Gemeinde als auch von Seiten der alt-eingesessenen Ärzte von Anfang an auf großes Vertrauen gestoßen zu sein. Ohne die gute Zusammenarbeit wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt gewesen. Eine weitere große Hilfe war die Förderung durch die Robert Bosch Stiftung. Dadurch haben wir in Büsum die Möglichkeit, zahlreiche Ideen aufzugreifen und in der Praxis zu testen. Dazu gehört beispielsweise die Nutzung eines Tele-Rucksacks für Hausbesuche oder die Vernetzung verschiedener Leistungserbringer durch eine Case Managerin.

ÄGN: Sind Sie auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Ärztezentrums zufrieden?

Ja, nach geringen Verlusten in den ersten drei Wirtschaftsjahren erwarten wir für das Jahr 2018 das erste Mal eine schwarze Null. Ich bin optimistisch, dass wir diesen Trend fortsetzen können und künftig in den schwarzen Zahlen bleiben.

ÄGN: Was planen Sie in Büsum für die Zukunft?

Unser vorrangiges Ziel ist es nach wie vor die hausärztliche Versorgung in Büsum sicherzustellen. Neben vier erfahrenen Ärzten beschäftigen wir derzeit drei junge Ärzte in Weiterbildung und sind daher optimistisch dieses Ziel erreichen zu können. Darüber hinaus werden wir uns weiter um eine bessere Vernetzung zwischen der ambulanten und stationären Versorgung bemühen. Auch die Zusammenarbeit mit Pflegediensten vor Ort wollen wir weiter verbessern.

ÄGN: Ist das „Büsumer Modell“ aus Ihrer Sicht die richtige Antwort auf den sich abzeichnenden Landarztmangel?

Das Modell wie wir es in Büsum realisiert haben, ist eine Möglichkeit den ärztlichen Nachwuchs für die Arbeit in der ambulanten Versorgung zu gewinnen. Wir bieten in Büsum ein großes Team mit erfahrenen Kollegen, geregelte Arbeitszeiten und das als Angestellter Arzt wie im Krankenhaus. Unser Ziel als Ärztegenossenschaft ist und bleibt es jedoch, den selbstständig tätigen Arzt zu erhalten. Daher ist die Selbstständigkeit in all unseren Projekten die erste Option. Erst wenn wir feststellen, dass dies im Moment nicht möglich ist, denken wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern über andere Möglichkeiten nach. Dann kann die Gründung eines kommunalen MVZ oder einer kommunalen Eigeneinrichtung der richtige Schritt sein, um die ärztliche Versorgung vor Ort sicherzustellen. Sollte ein Arzt zu einem späteren Zeitpunkt den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, unterstützen wir ihn hierbei nach Kräften.

Kontakt:
Ärztegenossenschaft Nord eG
Bahnhofstraße 1-3
23795 Bad Segeberg
Tel.: 04551 – 99 99 0
E-Mail: kontakt@aegnord.de