Dr. Axel Schroeder

Dr. Axel Schroeder
Facharzt für Urologie
Vorstand äg Nord

Als Vorstandsmitglied der ersten Stunde berichtet Dr. Axel Schroeder in seinem Interview über die großen und kleinen Hürden der Pandemie. Dr. Schroeder ist Urologe und bundespolitisch sehr aktiv.

Dr. Schroeder, wie hat sich im letzten Jahr, seit Ausbruch der Corona-Pandemie, Ihre Arbeit in der Praxis verändert?

Die Corona- Pandemie hat unseren Alltag in Deutschland total verändert. Beruflich und privat. Lernen mit diesem Virus im weitesten Sinne zu leben, ist ein langer Prozess. Für mich als Arzt war es wichtig, für die Patienten da zu sein, insbesondere auch im Lockdown. Ansprechbar zu sein, zu beraten in dieser Situation, aber auch die Patientenversorgung aufrechtzuhalten. Anfangs waren viele Patienten verunsichert und blieben zahlreich der Sprechstunde fern. Trotzdem hielten wir unsere Praxis offen. Telefon und Videosprechstunden kamen hinzu. Die Behandlung unserer chronischen Patienten, Tumorpatienten litten anfangs darunter, wurde aber im Frühsommer wieder fast im alten Umfang aufgenommen. Die Sofort/Infektsprechstunde ist heute noch fester Bestandteil unserer Sprechstundenzeiten.

Sie zählen viele neue Aspekte im Praxisalltag auf, was würden Sie sagen waren bisher die größten Herausforderungen in der Pandemie?

Die größte Herausforderung war die notwendige und dringende Behandlung unserer Patienten sicherzustellen. Weniger in der Praxis als in der Klinik aber auch die Haus – und Heimbesuche aufrechtzuhalten. 18 von 19 Covid-19 Patienten werden von den niedergelassenen Ärzten versorgt.

Auf der anderen Seite war es auch herausfordernd, unser Personal weiter zu beschäftigen und nicht in Kurzarbeit zu schicken, obwohl finanzielle Verluste daraus resultierten.

Würden Sie dennoch sagen, dass die Corona-Pandemie auch Chancen gebracht hat?

Wenn man von einem gewissen „Digitalisierungsschub“ ausgeht, als Chance, hier schneller und effizienter voranzukommen, bedingt. Die Chance vertan wurde insbesondere im Abbau der überbordeten Administration und Bürokratie.

Dr. Schroeder, welche Lehren ziehen Sie aus dem vergangenen Jahr – sowohl für sich persönlich als auch für die ambulante Versorgung?

Wir müssen lernen, mit diesem Virus zu leben. Von einem massivem Lockdown zum anderen ist aus sozialen, wirtschaftlichen und auch medizinischen Gründen nicht vertretbar. Gerade letzten Sommer hat man die Zeit nicht genutzt, sich Strukturen aufzubauen und Prozesse abzubilden, mit der Pandemie zu leben. Die Exekutive hat mehr reagiert als vorausschauend gehandelt. Die Zusammenarbeit auf der Bund-Länder-Ebene ist unzureichend – es mangelt an Transparenz und Kommunikation.

Wenn Sie sich etwas für die nahe und ferne Zukunft wünschen könnten – was wäre dies?

Dass wir mit dem Impfen rasch vorankommen, sonst erreichen wir die Herdenimmunisierung Ende des Sommers nicht. Dazu gehört auch eine praktikable Teststrategie. Ohne uns niedergelassenen Ärzte wird es nicht gehen, sei es beim Testen oder Impfen. Ich wünsche mir hier schnelle Lösungen aber vor allem Anerkennung und Wertschätzung von uns Ärztinnen und Ärzten und unseren Mitarbeitern in den Praxen. Wir sind der Garant einer wohnortnahen, qualifizierten Versorgung und damit der Schutzschirm für die Kliniken.

Ferner der Aspekt Long-Covid. Bisher galt die Aufmerksamkeit den Alten und Vorerkrankten. So auch unsere Impfstrategie. Es erkranken aber auch viele Menschen jüngeren und mittleren Alters. Damit kommt der Aspekt der Langzeitfolgen auf uns zu, dies gilt es bei der Prävention zu berücksichtigen.

Dr. Schroeder, vielen Dank für das Interview – möchten Sie abschließend Ihren ärztlichen Kollegen noch etwas sagen?

Weiter so, im vorbildlichen Einsatz, nicht nur in der Pandemie. Erste Priorität hat das Impfen, deshalb impfen Ärzte und nicht Apotheker! Die medizinische Versorgung ist eine ärztliche. Sie gehört nicht in die Hand anderer Heilberufe, schon gar nicht in die Hand der Politik.