Schon lange vor der Corona-Pandemie hat es immer wieder deutliche Verknappungen und Lieferengpässe bei wichtigen Substanzen in Deutschland gegeben. Unter den Eindrücken der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie äußerte sich der Gesundheitsminister, Jens Spahn, Mitte Mai mit der Feststellung … „Und wir wollen finanzielle Anreize setzen, um die Produktion wichtiger Wirkstoffe wieder nach Europa zu verlagern.” Bis heute ist das ein rein politisches Dampfgeplauder geblieben.

Am 01.07.2020 trat ganz regulär die nächste Runde der Festbetragsabsenkungen in Kraft. Latanoprost, Omeprazol, Pantoprazol und Simvastatin wurden erneut zum Teil erheblich in Ihren Festbeträgen gesenkt. Wenn ein Arzneimittelanbieter diese Festbeträge des GKV-Spitzenverbandes nicht einhält oder sogar unterbietet, sind seine Arzneimittel nur sehr bedingt oder gar nicht zu Lasten der GKV zu verordnen.

Diese Absenkungen führen wie selbstverständlich zu sogenannten Lagerwertberichtigungen, das heißt Großhändler und Apotheken wenden sich an die Hersteller und „melden“ ihren Lagerbestand zu den betroffenen Arzneimitteln. Daraus erwächst dann die Forderung, den gesunkenen Lagerwert auszugleichen. Für Q-Pharm hatte das zur Folge allein für diese vier Substanzgruppen über 20.000€ an Lagerwertverlust zu „erstatten“. Für die großen Anbieter dürften das Summen im zehn bis hundertfachen Bereich gewesen sein. Das Problem kann man nur umgehen, wenn man rechtzeitig vor einer anstehenden Festbetragsanpassung den Markt nicht beliefert, um möglichst wenig Warenbestand korrigieren zu müssen. Das erzeugt wiederum künstlich Lieferengpässe – also eine Vorgehensweise, die ein ärztlich geleitetes Unternehmen wie Q-Pharm keinesfalls tolerieren würde.

In der Summe ermuntert das die Arzneimittelproduzenten nur wenig, europäische Produktionslinien zu reaktivieren oder gar neu aufzubauen, wenn in dieser Zeit diese wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen weiterhin so ungestraft durchgeführt werden können.

Es wird Zeit, dass Herr Spahn seiner Idee auch Taten folgen läßt.