Die Generalversammlung 2019 der Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen e.G. (ägnw) in Oldenburg i.O. stand ganz unter dem Eindruck der Abschiede: Klaus Bahr, das Gesicht der ägnw im Außendienst und vielen Praxen in Niedersachsen und Bremen als zuverlässiger Partner in allen Dingen des Praxislebens wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Rainer Woltmann erinnerte an viele gemeinsame Gespräche und zurückgelegte Kilometer vor und nach Veranstaltungen im ganzen Land. Woltmann, inzwischen selbst über 70 Jahre alt, bedankte sich wie jedes Jahr bei den Mitarbeitern der ägnw, die einen „tollen Job“ gemacht hätten. Als Gäste konnte er „seinen Freund aus vielen Schlachten für die Genossenschaftsidee“ Christoph Meyer, Vorstand der Q-Pharm AG und Vorstand der äg Nord begrüßen. Auch die Ärztedienstleistungsgesellschaft ädg war mit ihrem neuen Geschäftsführer, Herrn J. O. Diedrichsen vertreten.

“Ist die Idee einer Genossenschaft für Ärzte und Psychologen noch zeitgemäß?”

Woltmann kann auf ein solides Ergebnis der Genossenschaft verweisen: „Unser wirtschaftlicher Erfolg stieg mit der Übernahme von Aufgaben für Ärztenetze. Exemplarisch dafür steht das Netz PLEXXON aus dem Ammerland“. Die alte und gleichzeitig auch neue Frage ist doch: „Ist die Idee einer Genossenschaft für Ärzte und Psychologen noch zeitgemäß?“ Seine Antwort gewohnt pointiert und kraftvoll: „Heute muss ich sagen, der Weg lohnt sich allein schon für den morgendlichen Blick in den Spiegel. Wir sind kein Stimmvieh, wir sind keine austauschbaren Leistungserbringer, sondern Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen und repräsentieren einen freien Berufsstand.”

Ärzte als Kollateralschaden in Illusion 4.0

Aktuell planen wir im Zusammenschluss mit der FÄ und den Zahnärzten über MediGeno Klagen gegen den TI-Zwang. Sachliche und inhaltliche Unterstützung bekommen wir von Prof. Antes (Cochrane Deutschland), der letztes Wochenende in Berlin gesagt hat: “Wenn wir Ärzte uns nicht wehren gegen diese quasi religiöse Datenverehrung und deren Folgen, werden wir schmerzhaft als Kollateralschaden in Illusion 4.0 aufwachen.” Skandalös sei die fundamentale Falschaussage, dass mehr Daten automatisch mehr Information bedeuten würden. “Wir sollen glauben, wo Wissen und überprüfbare Gewissheit nicht mehr gefragt ist. Sicher und wissenschaftlich belegt ist dagegen: Big Data erhöht das Rauschen und lässt den gesuchten Ton verschwinden, erzeugt mehr Heu, in dem die Nadel immer unauffindbarer wird”, so Antes weiter.

Dr. Tilo Brunnée tritt Nachfolge von Dr. Rainer Woltmann an

Von den ersten Anfängen der äg NW bis heute hat Dr. Rainer Woltmann die Funktion des Vorstandsvorsitzenden stets mit vollem Einsatz und nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt. Nach fast 20 Jahren verabschiedet sich eine beeindruckende Persönlichkeit bescheiden wie immer von der Genossenschaftsbühne: „Beruhigt kann ich nun den Staffelstab an meinen designierten Nachfolger Dr. Tilo Brunnée aus Bad Zwischenahn weiterreichen.“ Wir bedanken uns herzlich bei Rainer Woltmann und wünschen ihm und seiner Frau viele erfolgreiche Runden auf dem Golfplatz und besinnliche Momente an den schwedischen Seen.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Dr. Jörg Berling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Niedersachsen. Die differenzierte und kluge Sicht auf die Dinge, die da unentwegt aus dem Gesundheitsministerium in Berlin auf die niedergelassene Ärzteschaft einströme, offenbare die Abstrusität vieler Gedanken des Gesundheitsministers. Zentraler Diskussionspunkt war unter anderem die fast unmögliche Umsetzung des Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) in der Praxis. Leider war die Zeit für diese Diskussionsrunde wieder einmal viel zu kurz.