Die Partei Bündnis 90/die Grünen hat einen Antrag in den Bundestag gebracht, der mit Sorgfalt betrachtet werden sollte. Zur Zukunft unseres Gesundheitswesens gibt es etliche Verbesserungsvorschläge, oft geprägt von Partikularinteresse, manchmal aus dem Elfenbeinturm.

Sind wir doch offiziell beglückt durch ein beneidenswertes Sozialsystem, so wissen wir um Schwächen in einer Struktur, die durch Abgrenzungen innerhalb der Versorgungsebenen eine patientenorientierte Behandlung behindert. Während die „Versorger“ täglich damit befasst sind, die laufende Corona-Pandemie in Grenzen zu halten, bereitet das Bundesgesundheitsministerium des Herrn Spahn mit den Digitalisierungszielen Sorgen in der Ärzteschaft. Dieser Aktionismus lenkt ab von zur Zeit laufenden Gesetzesinitiativen, die grundsätzlichen Einfluss auf die Versorgungslandschaft nehmen können.

Beispielhaft sei genannt die Drucksache 19/21881, ein Antrag der Grünen-Fraktion im Bundestag vom 26.8.2020: „Gesundheitsregionen – Aufbruch für mehr Verlässlichkeit, Kooperation und regionale Verankerung unserer Gesundheitsversorgung“. Statt ärztlicher Allzuständigkeit (?) sollen auf Augenhöhe alle Heilberufe in multiprofessionellen Gesundheitszentren mit gesondertem Vergütungsmodell kooperieren. Wie diese Forderung mittels eines erweiterten § 140a SGB V (Besondere Versorgung) in die Tat umgesetzt werden kann, wird im Entwurf dargestellt.

Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher der Ärztegenossenschaft Nord: „Hier finden sich unsere Zielsetzungen für eine patientenorientierte regionale Versorgung wieder, wie in unserem Projekt Büsum und den Aktivitäten der regionalen Praxisnetze“. Förderlich wäre im Antrag der Grünen, dass Krankenkassen außerhalb der Regelversorgung zur finanziellen Beteiligung aufgefordert sind und Managementstrukturen unterstützt werden.

Dr. Klaus Bittmann, Vorstandsmitglied ägNord: „Der Ansatz dieser Gesetzesinitiative ist spannend, beinhaltet Empfehlungen der Sachverständigen im Gesundheitswesen – im Detail wird es auf das Rollenspiel aller Beteiligten ankommen.“ Unabhängig von politischen Farben steht die ägNord einem Sozialgesetz mit modernen sinnvollen Versorgungskonzepten positiv gegenüber.

Dr. Klaus Bittmann