Seit 2006 soll mittels neuer E-Card der Weg frei sein für die elektronische Fall- oder Patientenakte (eFA, ePA). Die gematik mit Spitzenverband der Krankenkassen und KBV hat die entsprechende Struktur „in Arbeit“, die Industrie kämpft mit technischen Problemen, der Bundesrechnungshof kritisiert das bisherige Investment von über zwei Milliarden Euro, die Politik droht mit Sanktionen.

Vergleiche mit dem Berliner Flughafen liegen nahe, ein Großprojekt droht zu scheitern. Die Praxen sollen sich vorbereiten auf eine Telematikinfrastruktur, deren Realisierung hoffnungsvoll auf sich warten lässt. Die Einen raten zur Anschaffung des einzig verfügbaren Konnektors, die Anderen warnen vor voreiligen Maßnahmen. Und nun vermelden AOK und TK, dass ihre Geduld erschöpft sei, die ersten Modelle einer eigenen ePA laufen an. Ob damit die gematik ins Trudeln gerät, bleibt abzuwarten. Allerseits wird die Digitalisierung als Heilsbringer propagiert. Inwieweit und wann Ärzte und Patienten von dem Aktionismus profitieren könnten, ist eine offene Frage.

Inmitten dieses Kuddelmuddels berichtete die ÄrzteZeitung online letzte Woche dann auch noch, dass die Bundesregierung offenbar an dem Plan festhalte, in allen Arztpraxen Terminals aufstellen zu lassen, über die Patienten Zugang zu ihrer Patientenakte erhalten sollen. Man stelle sich folgendes Szenario in der Arztpraxis vor:

Der 80jährige Patient lässt sich zunächst von der MFA ausführlich die Bedienung erklären. Langsam tippt er im Ein-Finger-Suchsystem seinen Zugangscode ein und korrigiert ihn mehrfach. Er fragt nach einem Stuhl und rückt seine Lesebrille zurecht. Nach einer Stunde stehen 20 Patienten am Gerät an und blockieren die Arztpraxis. Wochen später wird der Ruf nach freiem Zugang zum Gerät außerhalb der Öffnungszeiten immer lauter…