In mittlerweile über zwanzig Projekten hat die Ärztegenossenschaft Nord eG (ägNord) in den letzten Jahren unterschiedlichste Lösungen zur Aufrechterhaltung der ambulanten medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen entwickelt. Dabei sieht sich die ägNord mit unterschiedlichen Motivlagen der Projektpartner konfrontiert. Für die niedergelassenen Ärzte ist vielfach die Versorgung ihrer Patienten auch nach ihrem eigenen beruflichen Ausscheiden der Hauptgrund zur Mitarbeit in einem Projekt. Die betroffenen Kommunen sind sich der Bedeutung einer wohnortnahen ärztlichen Versorgung ebenfalls bewusst, müssen jedoch auch Aspekte wie die finanzielle Belastbarkeit der eigenen Gemeinde berücksichtigen. Daher wird von der ägNord häufig der Spagat zwischen dem Erhalt des Status Quo der ambulanten medizinischen Versorgung auf der einen und der Erstellung eines wirtschaftlich tragfähigen Konzeptes auf der anderen Seite erwartet.

Als Zusammenschluss und Interessenvertretung niedergelassenener Ärzte und Psychotherapeuten steht für die Ärztegenossenschaft jedoch nie die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle. „Unser vorrangiges Ziel bei der Entwicklung von Projekten zur regionalen Versorgung ist immer die ärztliche Versorgung vor Ort langfristig zu sichern“ bekräftigt Thomas Rampoldt, Geschäftsführer der ägNord. Ähnliches gilt für die Organisationsform: Erst wenn sich herausstellt, dass die Versorgung künftig nicht mehr durch selbstständig tätige Ärzte sichergestellt werden kann, wird die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) oder einer Kommunalen Eigeneinrichtung in Erwägung gezogen. Sollte dies der Fall sein, muss aus Sicht der Ärztegenossenschaft gewährleistet sein, dass die gegen Anstellung auf ihre Zulassung verzichtenden Ärzte wirtschaftlich nicht schlechter gestellt werden dürfen als in ihrer eigenen Praxis. „Den Ärzten muss es hoch angerechnet werden, dass sie sich an der Etablierung neuer Strukturen beteiligen und damit helfen, die Patientenversorgung in der Region langfristig zu sichern, obwohl eine persönliche Notwenigkeit hierfür nicht besteht“, so Rampoldt weiter. Dennoch muss es langfristig das Ziel sein, dass sich die Einrichtungen selbst tragen und die Haushalte der Kommunen nicht auf Dauer finanziell belastet werden. Hier ist auch die Politik gefordert, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich künftig beide Ziele schneller erreichen lassen.