Immer wieder gibt es gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbrüche, Fortschritte und Errungenschaften. Nun also die digitale Welt. Unglaublich schnell hat in der Informationstechnologie (IT) die elektronische Datenverarbeitung Chancen eröffnet, vom einfachen Computer über das World Wide Web bis hin zum Watson von IBM, einem Computerprogramm aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz. Daten werden gesammelt, verarbeitet und für Informationen genutzt. Wer die Digitalisierung in der Wirtschaft nicht umsetzt, der hat verloren. Das ist eine völlig neue Welt der Ökonomie.

Ebene 1: Arztpraxis

Wie ist es im Gesundheitswesen? Da müssen verschiedene Ebenen betrachtet werden. Viele Praxen arbeiten papierlos, Praxisverwaltungssysteme (PVS) übernehmen immer mehr Funktionen, führen Patientenakten, sammeln Dokumente, Diagnosen und Befunde, steuern qualifizierte Medikation, erleichtern bürokratische Prozesse etc., wenn die Software ausreichend leistungsfähig ist. Auch die Mediziner sind nicht rückständig: Vom Einlesen der e-Card bis zur elektronischen Honorarabrechnung kommt EDV zur Anwendung.

Ebene 2: Kommunikation

Die nächste Ebene befasst sich mit der Kommunikation. Von Doktor zu Doktor (D-2-D) und zu anderen Partnern, braucht es sichere Datenstraßen. Da gibt es diverse Angebote, eines davon ist das KV-Safenet. Praxisnetze arbeiten engagiert an Lösungen. Aber was wird aus der Telematik-Infrastruktur? Wie überwindet man die unterschiedlichen Schnittstellen der konkurrierenden Softwarehäuser? Wenn auch technisch alles machbar ist, liegt es nicht in der Hand einzelner Ärzte, die für Installationen zur Kommunikation stets zur Kasse gebeten werden.

Ebene 3: Industrie

Die dritte Ebene ist die der Industrie. Von dort werden Versprechungen gemacht. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen sei ausbaufähig, heißt es und ausgerechnet die Compu-Group-Medical sieht Effizienzreserven von ca. 39 Milliarden Euro. Real verzögern sich Fortschritte in der elektronischen Kommunikation durch technische Probleme, nicht durch Ärzte. Die Politik geht der Industrie auf den Leim. Mit dem E-Health-Gesetz werden Forderungen gestellt, die die Softwarehäuser nicht oder nicht fristgerecht erfüllen können, schlimmstenfalls bilden sich Monopole derer, die in den Ministerien Gehör finden. Und die finanzielle Haftung sollen Ärzte tragen, denen man dann Verweigerungshaltung unterstellen kann.

#daet2017 hat aktive Mitgestaltung bei der Digitalisierung beschlossen

Der Deutsche Ärztetag 2017 in Freiburg hat eine aktive Mitgestaltung bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen beschlossen. Das fordert aber auch pragmatische Lösungen, sinnvoll und nutzbringend für die Menschen im Gesundheitswesen. Digitalisierung ist kein Allheilmittel und darf nicht ablenken von den wirklichen Problemen und Defiziten bei der Patientenversorgung. (K. Bittmann)