Als der Begriff „Medizinisches Versorgungszentrum“ erstmals im SGB V auftauchte waren die Erinnerungen an Polikliniken und Ambulatorien der ehemaligen DDR noch frisch. Entsprechend war skeptische Ablehnung angesagt, zumal die Einzelpraxis in Selbstständigkeit noch der Regelfall in der ambulanten Versorgung war.

Neben einigen Gemeinschaftspraxen wollten insbesondere klinische Einrichtungen den Status eines MVZ nutzen, aus unterschiedlichen Gründen, die teilweise berechtigte Kritik auslösen.

Unsere ÄGN tritt ein für Freiberuflichkeit, Berufsfreiheit und Eigenverantwortung der ärztlichen Profession. Aber….

Rasant haben sich gesellschaftliche und berufsspezifische Vorstellungen und auch Werte verändert. Die Einzelpraxis mit nicht allein medizinischer Verantwortung, sondern auch als ein kleines Unternehmen mit ökonomischen und rechtlichen Konsequenzen, ist nicht mehr das Traumziel der nachrückenden Generation. Geregelte Arbeitszeit, Raum für eigenes Leben und Familie, Arzt-Sein ohne all die Risiken eines Praxisinhabers – das sind verständliche Wünsche, die für die Nachbesetzung etablierter Einzelpraxen zu bekannten Problemen führen. Wenn die jetzige ärztliche Generation für die Niederlassung gewonnen werden soll, dann gelingt dies am ehesten durch entsprechende Angebote, die durch ein MVZ möglich sind.

Diese Angebote können nach § 95 Abs. 1a SGB V von zugelassenen Ärzten, Kliniken, auch von Kommunen (und hoffentlich bald auch von Praxisnetzen) gemacht werden. Für uns ist wichtig:

Bei einer Anstellung in einem MVZ muss für den Arzt, die Ärztin die Option eines Schrittes in die freie Niederlassung gewahrt bleiben. Das MVZ muss Therapiefreiheit sichern. Gründer und Betreiber müssen dem Gemeinwohl verpflichtet sein, jedenfalls nicht einer Kapitalgesellschaft!

Wir als ÄGN unterstützen ärztliche, inhabergeführte MVZ und beteiligen uns am Aufbau und Betrieb kommunaler MVZ – immer mit Zustimmung und im Sinne der Niedergelassenen. Es ist nicht sinnvoll, MVZ grundsätzlich abzulehnen oder tatenlos zuzusehen, wenn Klinikketten Praxen aufkaufen. Wir wollen jungen Kollegen ein ärztliches Angebot machen, gleichzeitig den älteren Praxisinhabern die Chance bieten, noch ein paar Jahre mit geregelter Arbeit und ohne Druck in einem MVZ oder auch in einer BAG tätig zu sein. Dr. Klaus Bittmann