Man könnte meinen, Jens Spahn und Christian Lindner gehörten plötzlich einer Fraktion an. Zumindest dann, wenn es um die großzügige Handhabung und Auslegung des Arzneimittelgesetzes geht.

Vorschläge fernab der sicheren Arzneimittelversorgung

Weil der vorab bestellte Impfstoff aktuell nicht reicht – man hatte sich auf die Leistungsfähigkeit eines schon lange kastrierten Marktes verlassen – kommt man plötzlich auf die Idee, aus amtlich zugelassenen fünf Impfdosen plötzlich sechs zu machen. Wenn wir Ärzte an anderer Stelle so verfahren würden, dann hätten wir unsere Aufsichtsbehörden schlagartig am Hals und das zu Recht.

Vorschläge fernab der Realität

Erstaunlich ist auch der Vorschlag von Lindner, man müsste das Patent über den mRNA-Impfstoff von BioNtech einfach mal kurzerhand anderen Firmen zur Verfügung stellen. Dass Arzneimittelherstellung ein ausgesprochen diffiziler und hochwertiger Prozess ist, dass hat Herr Lindner wahrscheinlich noch nicht mitbekommen.

Das Know How, das hier über Jahre in Mainz – lange vor Corona – mühsam erarbeitet worden ist, lässt sich mit großer Sicherheit nicht einfach kopieren. Das ging vielleicht Anfang des 20. Jahrhunderts noch mit Acetylsalicylsäure. Mit Arzneimitteln, die gentechnologisch produziert oder maßgeschneidert werden, ist das nicht möglich.

Missachtung ärztlich korrekten Handelns

Organisationsversagen klein zu reden, nicht den Mut zu haben, Fehleinschätzung einzugestehen, ist schon ärmlich. Unerträglich ist es aber, wenn ärztliches, korrektes Handeln und der Wert einer ordentlichen Arzneitherapie /Impfprophylaxe so missachtet wird. (CM)


Bildquellen:
Jens Spahn, Autor: Martin Kraft via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Christian Lindner, Autor: Sandro Halank via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0