Gut so! Die Ärztegenossenschaft Nord ist auf jeden Fall dafür, wenn die Politik ein Auge darauf hat, dass die Krankenkassen sorgsam mit den ihnen anvertrauten Beitragsgeldern umgehen und nicht benötigtes Geld an die Versicherten zurückgeben.

Doch halt! Ein Anteil der von den Krankenkassen landesweit angehäuften 28 Milliarden Euro muss dafür verwendet werden, ab sofort diejenigen ärztlichen Leistungen in voller Höhe zu bezahlen, die die niedergelassenen Ärzte seit Einführung der Budgets in den neunziger Jahren durch den damaligen Gesundheitsminister Seehofer nur abgestaffelt vergütet bekommen.

An dieser Stelle wird gleichzeitig deutlich, dass sich die Krankenkassen, als sie der Politik die Erweiterung der Sprechstundenzeiten in den Koalitionsvertrag geflüstert haben (Dt. Ärzteblatt, Heft 6, S. A222, Februar 2018), ein dickes Eigentor geschossen haben. Hier sind nur einfache mathematische Grundrechenarten erforderlich, um zu verstehen, dass sich dadurch die Auswirkungen der Budgets – und hier sind ausdrücklich auch die Budgets für Arznei- und Heilmittel gemeint – weiter verschärfen, solange nicht alle Leistungen, die medizinisch erforderlich sind, auch vollständig bezahlt werden.

Hier wird Politik erst richtig spannend, weil Krankenversicherte auch Bürger und Wähler sind. Ihnen muss dann die weiter steigende Notwendigkeit von Priorisierung und Steuerung im Gesundheitswesen authentisch und transparent erklärt werden.

Wir behaupten, dass die große Mehrheit der niedergelassenen Ärzte immer noch sehr gern ihren Beruf ausübt. Wir wünschen uns nur, dass die Politik in Bezug auf unser Gesundheitssystem das Subsidiaritätsprinzip beachtet (siehe aktuell Erweiterung der Sprechstundenzeiten). Das deutsche Gesundheitswesen ist unter anderem auch deswegen eines der besten der Welt, weil es die gemeinsame Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen gibt.

Gleichzeitig wünschen wir uns, dass wir bei der gegebenen Verantwortung, die wir jeden Tag für unsere Patienten übernehmen, nicht schlechter gestellt sind, als andere freie Berufe wie Rechtsanwälte, Steuerberater oder Architekten, die ihr Honorar ungedeckelt nach festen Gebührenordnungen bekommen.