KV-Wahlen, KBV-Wahlen, Landtagswahlen (SH am 07.05.2017) und Bundestagswahlen (am 24.09.2017) – ein spannendes Jahr!

Die Ärzteschaft richtet den Blick besonders auf die Gesundheitspolitik. Geht alles so weiter? Sicher nicht. Wer wird für die Selbstverwaltung an der Spitze der KBV nach Neuwahl die Interessen der niedergelassenen Ärzteschaft vertreten? Die Rolle der KBV war in der letzten Zeit unrühmlich und schädlich; wird ein neuer Vorstand in der Lage sein, Profil und Statur zurück zu gewinnen? Herr Gassen äußert berufspolitische Wünsche für die Zukunft, die wenig zukunftsweisend sind und der Politik kaum Hinweis auf Handlungsfähigkeit der Selbstverwaltung signalisieren. „Wir haben Lösungen im Köcher“ sagt er. Da ist es nicht hilfreich und eindrucksvoll, nach besserer Vergütung ärztlicher Leistung zu rufen (war ja immer richtig), wenn gleichzeitig die Gefahr besteht, dass Leistungen im gesamten europäischen Raum eingekauft werden können. Sehen unsere Standesvertreter eigentlich nicht, was außerhalb ihrer Verwaltungsbauten passiert? Haben sie keine anderen Sorgen als die von gestern? Muss uns von der Politik gesagt werden, dass das ganze Vergütungssystem veraltet und auch ungerecht ist (s. Frau Prüfer-Storcks, Frau Klein-Schmeink etc.)?

Es wäre angebracht, den veralteten und verkomplizierten EBM zur Disposition zu stellen. Die rasant veränderten Versorgungsstrukturen sind in diesem EBM nicht berücksichtigt. Die Leistungen für Patienten erbringen ärztliche und nichtärztliche Teams oder Kooperationen, auch über Sektoren hinweg. Hierfür bedarf es gerechter Honorarkonzepte – die spezialfachärztlichen Versorgung (§ 116b SGB V) sollte als Lernprozess dienen. Aber weiterhin werden die Mauern zwischen ambulant und stationär verteidigt, obwohl ersichtlich gesellschaftlich und politisch die Sektorengrenzen fallen sollen. Gleichzeitig steht die Bürgerversicherung wieder zur Debatte, in dieser sozialkritischen Wahlperiode für fast alle Parteien ein Denkmodell. Wenn durch Mehrheiten, auch in der Bevölkerung, gewollt und machbar, sollten unsere „Köpfe“ für Umsetzung und Gestaltung bereit stehen. Eine Fundamentalabwehr bringt unsere Spitzenfunktionäre ins Abseits. Dies nur als Beispiel für erforderliche strategische Fähigkeit für die bestehenden und kommenden Herausforderungen.

Auf dem Spiel steht nicht nur die Funktionsfähigkeit der Selbstverwaltungen, sondern unser aller sozialpolitische und berufspolitische Glaubwürdigkeit.